Hilfswerke stocken Afghanistan-Hilfe auf

Mann sitzt vor zerstörtem Haus in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion

© Uncredited/AP/dpa

Deutsche Hilfswerke wollen ihre Unterstützung für die Opfer des Erdbebens in Afghanistan aufstocken.

Nach Erdbeben
Hilfswerke stocken Afghanistan-Hilfe auf
Nach dem schweren Erdbeben in Afghanistan wollen deutsche Hilfswerke ihre Unterstützung aufstocken. Die Außenministerin kündigte Eckpunkte eines Aufnahmeprogramms für Menschen aus Afghanistan an.

Die Malteser stellen Gelder in Höhe von 100.000 Euro für das von Konflikten und Krisen geplagte Land bereit, wie die Organisation am Donnerstag mitteilte. Auch das katholische Hilfswerk Caritas International stockte die Hilfe nach eigenen Angaben auf 100.000 Euro auf. Das Medikamentenhilfswerk Action Medeor sagte Unterstützung in Höhe von 20.000 Euro zu.

Das Erdbeben hatte den Südosten Afghanistans am 22.6. erschüttert. Laut Medienberichten und Hilfsorganisationen wurden mehr als 1000 Menschen getötet und viele weitere verletzt. Nach Angaben von Caritas International sind in den Provinzen Paktika, Khost und Paktia mehr als 1800 Gebäude eingestürzt. "Der Bedarf an schneller Unterbringung ist riesig", sagte Caritas-Leiter Oliver Müller.

Cordula Wasser von Malteser International sagte, die Katastrophe treffe ein Land, in dem ohnehin jeder zweite Mensch hungere. Grund seien Dürren und eine wirtschaftliche Krise. Durch das Erdbeben seien auch Tausende Menschen obdachlos geworden. Die betroffenen Dörfer brauchten schnell Hilfe.

Der Vorstandssprecher von Action Medeor, Sid Peruvemba, sprach von Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Hilfe. "Der Zugang ins Land ist nach der Machtübernahme der Taliban erschwert und viele humanitäre Strukturen sind weggebrochen." Deshalb arbeite das Medikamentenhilfswerk mit der Partnerorganisation "Union Aid" zusammen, die auch in den letzten Monaten noch helfend im Land tätig gewesen sei. Die Hilfsgüter würden regional in den Nachbarländern beschafft.

Als Reaktion auf das schwere Erdbeben stellt die Europäische Kommission humanitäre Mittel in Höhe von einer Million Euro bereit. Das Geld sei "eine erste Nothilfe", erklärte der Kommissar für Krisenmanagement der EU, Janez Lenarčič, am Donnerstag in Brüssel. "Die EU ist bereit, weitere Hilfe zu leisten."

Lage im Land extrem verschärft

Afghanistan war bereits vor dem Erdbeben von einer schweren humanitären Krise geplagt. Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban im Sommer vergangenen Jahres hatte sich Lage in dem Land am Hindukusch immer weiter verschärft.

Im Juli sollen nach den Worten von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) Eckpunkte für ein Bundesaufnahmeprogramm für Afghaninnen und Afghanen vorgestellt werden. Wie die Ministerin in Berlin sagte, soll das Vorhaben, um besonders schutzbedürftigen Menschen aus Afghanistan den Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen, gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium schnellstmöglich umgesetzt werden.

Im Koalitionsvertrag haben die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP vereinbart, dass das humanitäre Aufnahmeprogramm bisherigen Programmen im Zuge des Syrien-Krieges ähneln soll. Bis dahin mache ein Überbrückungsprogramm für besondere Härtefälle wie Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivistinnen und schutzbedürftigen Minderjährigen die schnelle Aufnahme in Deutschland möglich, sagte Baerbock. Auf diesem Weg seien bereits 1.800 Aufnahmezusagen erteilt worden.

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