Expertenkreis: Pflege finanziell und personell stärken

Expertenkreis: Pflege finanziell und personell stärken

Fachleute aus der Pflege- und Hebammenwissenschaft haben Empfehlungen für das weitere Pandemiegeschehen veröffentlicht. Um eine kommende Corona-Welle im Herbst bewältigen zu können, müsse die Pflege und ihre Expertise strukturell, finanziell und personell gestärkt und in die politischen Entscheidungen enger eingebunden werden, sagte Christine Vogler, die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, am Donnerstag in Berlin. Erforderlich seien ein gemeinsames Handeln und eine zeitnahe Vorbereitung.

Grundlage der Forderungen ist die erste Stellungnahme des im März vom Pflegerat neu gegründeten Expertenrats Pflegewissenschaft/Hebammenwissenschaft und Pandemie. Darin wird deutlich, dass die Sektoren der Pflege und des Hebammenwesens erneut vor großen Herausforderungen stehen. Das Papier zeige deutlich, "dass die Expertise der Pflegewissenschaft in Deutschland aus den Experten- und Entscheidergremien zur Sicherung der Gesundheitsversorgung nicht mehr ausgeschlossen werden darf", sagte Vogler.

Thomas Fischer, Professor an der Evangelische Hochschule Dresden und Sprecher des Expertenkreises, sagte, der Umgang mit der nächsten pandemischen Welle werde nur gelingen, wenn Wissen und Können von Pflegewissenschaft und -praxis "endlich in die Ausgestaltung der Eindämmungsmaßnahmen eingebunden werden". Die Verbindung von Infektionsschutz und Wahrung von Würde und Lebensqualität vulnerabler Gruppen seien dabei zentral.

Das Papier enthält zehn Empfehlungen an alle Akteure der Gesundheitspolitik und -verwaltung auf allen politischen Ebenen sowie an die Träger von Einrichtungen im Gesundheitswesen. Die Fachleute fordern beispielsweise, dass pflegebedürftige Menschen, Patienten und deren Angehörige nicht erneut ausgrenzt werden dürften. Zudem müsse die pflegerische und Hebammen-Versorgung auch unbedingt sichergestellt werden. Weiter sprechen sich die Expertinnen und Experten dafür aus, Pflegefachpersonen und Hebammen zu autorisieren, Schutzimpfungen gegen Corona vornehmen zu lassen. Zudem müssten Infektionsgeschehen, Krankheitslast und Sterblichkeit im Hinblick auf Covid-19 lückenlos erfasst werden.