Bloggen über Gott im Alltag

Foto von Christina Schöffler mit Raupen

© http://denspatzinderhand.blogspot.com/Christina Schöffler

"Manchmal erkenne ich, dass es eine Geschichte hinter der Geschichte gibt", schreibt Christina Schöffler in ihrem Blog. Was es wohl für eine Geschichte zu diesen Raupen gibt?

Autorin teilt ihre Erfahrungen
Bloggen über Gott im Alltag
Lange hat Christina Schöffler nur Tagebuch geschrieben. Inzwischen ist sie seit fast zehn Jahren Bloggerin und Autorin. Sie lässt Menschen teilhaben an ihren Erfahrungen, wie Gott im Alltag guttut.

"Ich würde gerne schreiben, aber wen interessieren schon meine Geschichten?", dachte Christina Schöffler lange. Doch dann merkte die Tagebuchschreiberin, die das Lesen als ihre "erste Liebe" bezeichnet, wie ehrliche, authentische Geschichten anderer sie selbst berührten. 2013 - nach der Geburt ihres Sohnes Samuel und in einer Zeit, in der Krankheit und Tod im familiären Umfeld zu bewältigen waren, wagte die damals 44-Jährige ihren eigenen Blog zu starten.

War das Echo am Anfang noch gering und ihr Ehemann Heio der erste, der einen ermutigenden Kommentar hinterließ, so sind es inzwischen Hunderte, die sich von den wöchentlichen Alltagsgeschichten mit eigenen Fotografien auf der Seite "Den Spatz in der Hand" inspirieren lassen. "Das Schreiben, und auch das Fotografieren, hilft mir, mein Leben bewusster wahrzunehmen", sagt die verheiratete "Jungs-Mama, Freundin, Schwester, Versagerin, geliebte Tochter, Jesus-Nachfolgerin und Weggefährtin", wie sie sich selbst bezeichnet.

Christine Schöffler ist Autorin des christlichen Blogs "Den Spatz in der Hand"

"Manchmal erkenne ich, dass es eine Geschichte hinter der Geschichte gibt, eine Weisheit, die mir ohne das Aufschreiben verloren gehen würde", erklärt sie. Und: "Bei allem erfüllt mich zunehmend eine stille Ahnung von der Anwesenheit eines liebevollen Gottes, mitten in meinem kleinen Alltag."

"Vom Typ her sehr unkonventionell"

Aus ihren Geschichten, in denen sich Viele wiederfinden, entstanden drei Bücher im Neukirchener Verlag. Bereits das erste, "Vom Stolpern und Tanzen - Das Leben, Jesus und ich", ist nach der zweiten Auflage immer noch gefragt. Aber auch Wenig-Leser kommen auf ihre Kosten: Essenzielle Zitate aus ihren Blogs hat die Autorin als Postkarten gestaltet.

"Ich bin vom Typ her sehr unkonventionell", sagt die gelernte Krankenschwester, die in einem christlichen Elternhaus im Schwarzwald aufwuchs. Sie fühlte sich zu Menschen am Rand der Gesellschaft hingezogen, arbeitete auf der Drogenentgiftungsstation einer Stuttgarter Klinik.

Jesus Freaks

"Ich habe unbeabsichtigt eine Gemeinde mitgegründet", sagt die 53-Jährige über den Prozess, als die Jesus Freaks in Stuttgart entstanden - eine Bewegung, die 1991 in der Hamburger alternativen Jugendszene mit dem freikirchlichen Pastor Martin Dreyer ihren Anfang genommen hatte. Schöffler initiierte Wohnzimmer-Treffen, bei denen für Menschen am Rand der Gesellschaft gebetet wurde. Es kamen zuerst junge Christen, die sich nach authentischer geistlicher Gemeinschaft sehnten, aber nicht ins Raster herkömmlicher Kirchengemeinden passten.

Für die rasch wachsende Gruppe unterschiedlichster Leute - auch Punks, Gruftis, Süchtige - fanden sich in einem Laden im Stuttgarter Süden Räume. Zu den "Jesusabhängabenden" durfte jeder so kommen, wie er war - mit Bierdose, mit Zigaretten. "Die Musik war schräg und sehr laut", erinnert sich Schöffler. "Predigen durfte jeder, der einigermaßen nüchtern war. Wir haben gespürt: Mitten in diesem Durcheinander ist Jesus unter uns, baut Gott sein Reich."

Oft habe sie sich überfordert gefühlt. Indem sie sich pausenlos für andere verausgabte, kam es zum Burnout. Schöffler möchte aus dieser Erfahrung heraus auch nicht zwischen "normalen" Mitarbeitern und Problem-Menschen unterscheiden: "Gemeinde ist ein Ort für die Kranken und wir alle brauchen Jesus als unseren Arzt."

Inzwischen sind die wilden Zeiten vorbei - die Jesus Freaks, längst Teil der Evangelischen Allianz Stuttgart, haben zumeist Familien gegründet und sind "ziemlich normal" geworden. An den Sonntagen im Fellbacher Café Wundervoll steht die Begegnung mit Gott und miteinander im Mittelpunkt. Gemeinsames Essen gehört neben unkonventionellen Gottesdiensten dazu.

In ihrem Buch "Warum ich da noch hingehe - die Kirche, Jesus und ich" setzt sich die mittlerweile in Backnang lebende Autorin mit den Höhen und Tiefen von Gemeinde auseinander und lädt ein, gemeinsam an Gottes Tisch Platz zu nehmen. "Slow living - aus der Ruhe leben. 52 Impulse für Sonntagsentdecker" heißt ihr viertes Buch, das im September 2022 bei Gerth Medien erscheint. "Ich erlebe, wie der Sonntag als Geschenk von Gott mir guttut", sagt die Autorin. "Er hat uns längst den Erlaubnisschein für ein langsameres Lebenstempo gegeben."

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