Kurhessische Kirche lässt Altfälle prüfen

anonyme, unscharfe Frau steht hinter Vorhang

© Ole Spata/dpa

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat zwei juristische Gutachter eingesetzt, die Altfälle sexualisierter Gewalt rechtlich prüfen sollen. Wunsch sei, "dass Betroffene gehört werden, zu ihrem Recht kommen und das mutmaßliche Dunkelfeld aufgeklärt wird", so Bischöfin Beate Hofmann.

Sexualisierte Gewalt
Kurhessische Kirche lässt Altfälle prüfen
Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat zwei unabhängige juristische Gutachter eingesetzt, die bekannte Altfälle sexualisierter Gewalt in der Landeskirche rechtlich prüfen sollen.

Ihren Angaben zufolge handelt es sich um die ehemalige Kasseler Staatsanwältin Andrea Boesken und Jürgen Schuppner aus Eschwege, der Vizepräsident des Landgerichts Mühlhausen war.

Wie die kurhessischen Kirche dem Evangelischen Pressedienst (epd) mitteilte, handelt es sich um rund 40 Altfälle, die von den 1950ern Jahren bis 2021 reichen. Die Gutachter sollen die Straf- und Disziplinarverfahren durchgehen und analysieren, was am damaligen Handeln der kirchenleitenden Instanzen gut war oder unter heutigen Bedingungen verbesserungsfähig ist.

"Insgesamt braucht es einen Kulturwandel, eine Enttabuisierung dieses sensiblen Themas", sagte Bischöfin Beate Hofmann dem epd. Sie hoffe, dass durch die Arbeit deutlich werde, wie und warum Täter früher übersehen wurden: "Wir möchten verstehen, wie sie womöglich geschützt wurden und welche Strukturen, Denkmuster und Verhaltensweisen dazu beigetragen haben."

Wunsch sei, "dass Betroffene gehört werden, zu ihrem Recht kommen und das mutmaßliche Dunkelfeld aufgeklärt wird", so Hofmann, die von einer unvollständigen Liste mit Namen von Betroffenen oder Beschuldigten ausgeht: Die Anerkennungskommission der EKKW und die juristischen Gutachter vermuteten, dass es bei vielen bekannten Altfällen weitere Betroffene gebe. Die Hoffnung sei, dass sie ermutigt würden, sich zu melden, um gemeinsam aufzuarbeiten und Veränderungen herbeizuführen.

Mit Blick auf die Prävention sagte die Bischöfin: "Wir warten nicht die Ergebnisse der Untersuchung ab." Im Zuge der Aufarbeitung begleiteten die kirchenunabhängigen Mitglieder der Anerkennungskommission Betroffene bei der Bewältigung, und es gebe klare Konzepte für den Umgang mit Hinweisen auf sexuelle Übergriffe. Die Bischöfin verwies auf Präventionsschulungen, an denen seit Sommer bereits 1200 Mitarbeitende teilgenommen haben und die auf Ehrenamtliche ausgeweitet werden sollen.

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