Orchester trotzen der Pandemie

Orchester trotzen der Pandemie
Orchester haben wegen der Corona-Pandemie eine Achterbahnfahrt hinter sich. Einmal dürfen sie auftreten, dann wieder nicht, dann nur vor begrenztem Publikum. Die Deutsche Orchestervereinigung hat Bilanz gezogen.

Die deutschen Berufsorchester sind bislang offenbar gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Die Anzahl der Berufsorchester und ihrer Mitglieder sei stabil geblieben, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), Gerald Mertens, am Montag in Berlin.

Etwa 80 Prozent der Orchester seien zeitweilig in Kurzarbeit gewesen. Das habe sich stabilisierend auf die Klangkörper ausgewirkt. Auch die Impfbereitschaft sei flächendeckend sehr hoch. Dennoch stellten die Musiker und Musikerinnen ein Spiegelbild der Gesellschaft dar, hieß es. Genaue Zahlen nannte die Vereinigung nicht.

Wichtig sei jetzt ein "halbwegs planbarer Spielbetrieb", sagte Mertens. Problematisch sei die Lage weiterhin für freischaffende Musiker und Musikerinnen. Diese seien in den vergangenen 22 Monaten auch seltener als Aushilfen in den Orchestern eingesetzt worden.

Aktuell gibt es laut DOV 129 öffentlich finanzierte, regelmäßig spielende Berufsorchester. "Seit 2018 hat es keine neuen Fusionen oder Auflösungen von Orchestern gegeben", sagte Mertens. Die Zahl der Stellen habe sich gegenüber 2020 lediglich um 17 auf insgesamt 9.749 ausgewiesene Stellen verringert.

Damit ist die Zahl der Berufsorchester den Angaben zufolge in den vergangenen 30 Jahren um fast ein Viertel zurückgegangen. 1992 gab es noch 168. Die Zahl der Planstellen sank im gleichen Zeitraum um ein Fünftel beziehungsweise um 2.410 Stellen.

Mertens betonte, der Abbau um 17 Planstellen gegenüber der vorangegangenen Erhebung im Jahr 2020 sei eine Folge des langfristig vereinbarten Arbeitsplatzabbaus beim SWR Symphonieorchester nach der Fusion von 2016. Zu den größten öffentlich finanzierten Klangkörpern gehören den Angaben zufolge das Gewandhausorchester Leipzig mit 185 ausgewiesenen Planstellen, das Bayerische Staatsorchester/Staatsoper mit 143 und die Staatskapelle Berlin/Staatsoper Unter den Linden mit 136 Stellen.

"Auch für die kommenden Jahre rechnen wir mit einer weiter stabilen Lage", sagte Mertens. Voraussetzung dafür sei eine verlässliche Finanzierung durch Länder und Kommunen. Dann könnten die Orchester Innovationen bei Programm, Personal und Publikum kreativ umsetzen.

So habe etwa die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen mit kreativen Ideen ihre Abonnentenzahlen trotz Pandemie um 51 Prozent steigern können. "Besonders beeindruckend ist die Innovationsfreude bei den Programmformaten", sagte Mertens: "Mit Kammermusikformationen auf offenen Doppeldeckerbussen, '1- to-1-Concerts' oder 'Tiny House Outreach'-Formaten kommt Livemusik direkt zu den Menschen. Sie wird in der Stadt hautnah erlebbar und erreicht Menschen auch jenseits der Theater und Konzertsäle."

Als problematisch beschrieb Mertens die Lage in einigen Orchestern etwa in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo Musiker und Musikerinnen aufgrund von Haustarifverträgen weniger verdienten als der Flächentarifvertrag hergebe. Insgesamt werden in Deutschland aktuell 110 Orchester, acht Kammerorchester und elf Rundfunkklagkörper öffentlich finanziert. Tanzorchester und Bigbands wurden dabei nicht mitgezählt.