Religionsfreiheitsbeauftragter: Ich kann auch Dinge beim Namen nennen

Religionsfreiheitsbeauftragter: Ich kann auch Dinge beim Namen nennen
22.01.2022
epd
epd-Gespräch: Mey Dudin

Der neue Religions- und Weltanschauungsbeauftragte der Bundesregierung, Frank Schwabe, sieht seine Glaubwürdigkeit im Ausland auch an innerdeutsche Diskussionen gekoppelt. Es gehe ihm darum, "dass wir international unsere Stimme möglichst effizient und effektiv erheben können", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das habe auch etwas damit zu tun, wie Debatten in Deutschland verliefen. "Wenn ich zum Beispiel gegenüber einem Land sage, ich hätte gerne, dass dort christliche Kirchen gebaut werden können, dann sagen die mir natürlich, in den meisten deutschen Städten darf der Muezzin auch nicht rufen."

Insofern müsse er da konsistent sein und auch selber über manches nachdenken, sagte Schwabe. "In meinem Wahlkreis werden zum Beispiel auch Moscheen gebaut und da könnte so mancher Abgeordnete darauf kommen, zu sagen: besser nicht, das bringt nur Ärger. Als Religionsfreiheitsbeauftragter muss ich aber sagen, es kann gar nicht anders sein, als dass wir das ermöglichen."

International hat Schwabe nach eigenen Angaben keine Scheu, auch kritische Fragen deutlich anzusprechen. "Ich weiß, wie Diplomatie funktioniert, aber ich kann auch Dinge deutlich beim Namen nennen." In bestimmten Situationen gehe es darum, einen klaren Satz zu sagen. "Damit werde ich die Situation dort zwar nicht über Nacht ändern. Aber es gibt Menschen in dem Land, denen das wichtig ist. Wenn ich am Ende nach Hause fahren würde, ohne die Kritik auch klar formuliert zu haben, verstünden die Engagierten oder Unterdrückten das eher als Entmutigung." Es gebe aber auch Fälle, da komme irgendwann der Moment, wo es nötig werde, diplomatisch zu sein. "Um auch für die Herrschenden eine gesichtswahrende Lösung zu finden, damit jemand freikommt oder auch nur nicht totgepeitscht wird."

Der 51-jährige Sozialdemokrat hat sein Büro im Entwicklungsministerium. Von dort aus will er sich unter anderem gegen die Verfolgung von Christinnen und Christen einsetzen, aber auch für indigene Völker. "Das ist ein spannendes Feld, weil Indigene oft auch von christlichen Gruppen und Kirchen zum Beispiel in Lateinamerika jedenfalls teilweise unterdrückt werden." Sie seien in mehrfacher Hinsicht bedroht: "Von anderen Religionsgemeinschaften, von einem Staat, der Wälder rodet und Minen betreibt, ohne auch nur zu verstehen, welch wichtige religiöse indigenen Traditionen da eine Rolle spielen."