Weltuntergangsuhr steht weiter auf 100 Sekunden vor Mitternacht

Weltuntergangsuhr steht weiter auf 100 Sekunden vor Mitternacht

Das US-Wissenschaftsmagazin "Bulletin of the Atomic Scientists" hat die Zeiger seiner symbolischen Weltuntergangsuhr für das Jahr 2022 bei 100 Sekunden vor Mitternacht belassen. Dass die Zeiger sich nicht bewegt hätten, "sei keine gute Nachricht", erklärte die Wissenschaftlerin Sharon Squassoni am Donnerstag bei der Präsentation. Die Uhr soll anschaulich machen, wie nahe die Menschheit vor der Selbstzerstörung steht. Bereits 2021 und 2020 standen die Zeiger auf 100 Sekunden vor Mitternacht. Demnach ist eine globale Katastrophe näher gerückt als jemals zuvor.

Die Welt sei an einem "gefährlichen Zeitpunkt steckengeblieben", erklärte Squassoni. Die Bulletin-Wissenschaftler ziehen Kriegsgefahren und Klimaerwärmung in Betracht. Als gefährlich wertete Squassoni zudem "Informationskriege", die das Unterscheiden von wahr und falsch erschwerten.

Sicherheitsexperte Scott Sagan lobte, dass US-Präsident Joe Biden und der russische Staatschef Wladimir Putin zumindest Bekenntnisse abgelegt hätten, dass ein Atomkrieg nicht gewinnbar sei. In mehreren Regionen der Welt werde allerdings aufgerüstet ohne begrenzende Vereinbarungen. Sagan warnt auch vor innenpolitischen Spannungen in den USA. Beim Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 hätten Anhänger des damaligen Präsidenten Donald Trump beinahe Vizepräsident Mike Pence gefangengenommen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler reichen die weltweiten Klimaschutzmaßnahmen bei weitem nicht aus, um die angestrebte Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad Celsius zu begrenzen, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Die Präsidentin des "Bulletin", Rachel Bronson, betonte jedoch, die Menschheit habe "diese Bedrohungen geschaffen, und wir können sie verringern".

Die Wissenschaftler publizieren die "Doomsday-Uhr" seit 75 Jahren. Bei der ersten Präsentation der Uhr im Jahr 1947 ging die größte Gefahr von Atomwaffen und dem Wettrüsten aus. Im Jahr 2007 haben die Forscher erstmals den Klimawandel berücksichtigt.

1947 stand die Uhr auf sieben Minuten vor zwölf, im Jahr 1953 zur "Eiszeit" des Kalten Krieges mit der atomaren Aufrüstung auf zwei Minuten vor Mitternacht. Am weitesten entfernt von Mitternacht (17 Minuten) standen die Zeiger nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991. Seitdem bewegen sich die Zeiger Richtung Mitternacht.

Nach der Wahl des Republikaners Trump zum US-Präsidenten rückte das "Bulletin" den Zeiger 2017 auf zweieinhalb Minuten vor zwölf und 2018 auf zwei Minuten vor zwölf. 2019 blieben die Zeiger auf zwei Minuten vor zwölf stehen. In den vergangenen Jahren standen die Zeiger auf 100 Sekunden vor Mitternacht. Die Corona-Pandemie habe vorgeführt, wie unvorbereitet die Menschheit sei, hieß es. In ihrer Erklärung 2022 warnten die Wissenschaftler vor weiteren "biologischen Bedrohungen". Russland und Nordkorea betrieben "aktive Biowaffenprogramme".

Das "Bulletin of the Atomic Scientists" wurde 1945 von Nobelpreisträger Albert Einstein und US-Wissenschaftlern gegründet, die am Bau der ersten Atombombe beteiligt waren.