Weihnachten feiern mit Abstand und Maske

Christvesper mit Abstand

© epd-bild/Matthias Rietschel

Anders als im vergangenen Jahr sind fast überall Gottesdienste geplant - allerdings meist nur für Geimpfte, Genesene und Getestete.

Herausforderung für Gemeinden
Weihnachten feiern mit Abstand und Maske
Es ist das zweite Weihnachtsfest in der Pandemie. Doch anders als im vergangenen Jahr sind fast überall Gottesdienste geplant - allerdings meist nur für Geimpfte, Genesene und Getestete. Viele Gemeinden stellt das vor Herausforderungen.

Statt mit den 3G von der Geburt Jesu, der Gnade und Gott beschäftigen sich viele Kirchengemeinden im zweiten Jahr der Corona-Pandemie in der Adventszeit mit den 3G "Geimpft, Genesen oder Getestet". So geht es auch Pfarrer Jörg Niesner aus dem nordhessischen Laubach. "Wir hatten ursprünglich geplant, einen Gottesdienst für Genesene und Geimpfte an Heiligabend zu feiern und die Kirche richtig vollzumachen", erzählt er. Doch die vierte Welle der Pandemie hat diesen Planungen ein Ende gesetzt.

Nun soll es stattdessen an Heiligabend einen Open-Air-Gottesdienst mit Krippenspiel mit 300 bis 500 Menschen im Schlosshof in Laubach geben - mit Bühne und aufwendiger LED-Beleuchtung. Zusätzlich solle es einen Livestream geben für alle, die sich trotz Hygieneschutzkonzept keine Teilnahme in Präsenz vorstellen können, sagt Niesner.

Im ganzen Land stehen Kirchengemeinden wieder vor der Frage, wie sie Gottesdienst feiern können an Heiligabend und Weihnachten. Während im vergangenen Jahr viele Gottesdienste kurzfristig abgesagt wurden oder nur digital möglich waren, können viele Menschen in diesem Jahr dank der Impfung wieder einen Gottesdienst besuchen - auch wenn je nach Infektionsgeschehen regional unterschiedliche Regeln gelten.

"Auf die Schwächsten achten"

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, betont, Maßstab bei allem sei die größtmögliche Sicherheit für die Gottesdiensteilnehmer. "Es ist unsere Verantwortung, auf die Schwächsten zu achten", sagt sie. Was zu verantworten ist, entscheiden die Gemeinden in Einklang mit den Gesundheits- und Ordnungsbehörden vor Ort.

"Da im vergangenen Jahr nur offene Kirchen möglich waren, wollten wir dieses Jahr jede Möglichkeit nutzen, nicht nur um Christvespern zu feiern, sondern auch um wirklich die Botschaft von der Geburt Jesu so vielen Menschen wie möglich nahezubringen", sagt Justus Geilhufe, Pfarrer der Kirchengemeinde Freiberg im Erzgebirge. Die Gemeinde feiert in erzgebirgischer Tradition die erste Christvesper mit der Kurrende - dem Kinder- und Jugendchor - im Seniorenwohnheim und dann an drei verschiedenen Orten in den Dörfern der Gemeinde mit dem Posaunenchor unter freiem Himmel. "Viele Menschen, die sonst wahrscheinlich keinen Gottesdienst besuchen, haben nun eine ganz besondere und vollwertige Vesper direkt vor ihrer Tür", sagt Geilhufe. Aber ohne das Engagement der Ehrenamtlichen sei das nicht möglich.

Neue Herausforderungen für Ehrenamtliche

Die Belastung für Ehrenamtliche sei hoch, sagt auch Hanna Jacobs, Pfarrerin aus Hannover. Ihnen obliege beispielsweise die Aufgabe, an der Kirchentür den 3G- oder 2G-Nachweis zu kontrollieren. Viele wollten trotz Impfung nicht eingebunden werden. Das reduziere den Spielraum. In ihrer Kirche wird es an Heiligabend konventionelle Gottesdienste mit 2G geben. Wer teilnehmen wolle, müsse sich vorher anmelden. Außerdem dürfe die Gemeinde nicht singen. "Vor ein paar Jahren hätte ich selbst gesagt, Gottesdienst mit Voranmeldung und es dürfen nicht alle rein - das geht gar nicht", sagt sie. "Die Maßstäbe ändern sich." Jetzt sei es eben nur so für alle sicher.

Nur 140 statt 1.800 Besucher:innen erlaubt

Auch in der Bonner Kirchengemeinde von Pfarrer Oliver Ploch wird es konventionelle Gottesdienste im Stundentakt geben, nachdem die Gemeinde im vergangenen Jahr ein riesiges Open-Air-Event plante und dann doch kurz vorher absagen musste. Hier gilt ebenfalls 2G und es dürfen jeweils nach Anmeldung nur 140 Personen pro Gottesdienst teilnehmen - ein Bruchteil der sonst üblichen 1.800 Besucherinnen und Besucher, sagt Ploch, der normalerweise vor voller Kirche predigt. Die Gottesdienste werden alle gleich sein, sonst seien sie unterschiedlich, mit Krippenspiel, Chor oder Ensemble. Niemand solle auf die Idee kommen, zweimal in die Kirche zu gehen und anderen damit Plätze zu blockieren, sagt Ploch. Es sei ein Notprogramm. "Da will ich nichts beschönigen."

Pfarrer Niesner aus Laubach hat sich ein ausgefeiltes Hygienekonzept für seinen Freiluftgottesdienst ausgedacht. Der Schlosshof wird in vier Quadranten unterteilt, damit sich die Menschen nicht vor der Bühne drängen. Es gilt 3G und Maskenpflicht. Er hofft nun auf ein bisschen Schnee - für zusätzliche Atmosphäre.

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