Impfen statt singen: Fußball-Club und Kirchen laden ins Stadion ein

Impfen statt singen: Fußball-Club und Kirchen laden ins Stadion ein
Mehrere Impfstraßen für Hunderte Menschen im VIP-Bereich geplant
Eigentlich sollte es am 22. Dezember im Fußballstadion von Hannover ein großes Weihnachtssingen geben so wie in Berlin oder Köln. Wegen der hohen Corona-Zahlen haben die Veranstalter aber nun umdisponiert: Statt zu singen wird geimpft.

Der Fußball-Club Hannover 96 und die christlichen Kirchen wollen zwei Tage vor Heiligabend eine große Impfaktion im Stadion zum Schutz vor Corona starten. Erwartet werden am 22. Dezember mehrere Hundert und möglicherweise einige Tausend Besucherinnen und Besucher, wie die Veranstalter am Mittwoch erläuterten. Das eigentlich für diesen Tag geplante Weihnachtssingen im Stadion wurde mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen abgesagt und auf 2022 verschoben. Zu dieser Aktion waren rund 5.000 Teilnehmende erwartet worden. An die Stelle des Singens trete nun das Impfen, hieß es.

Von der Impfaktion, die von 15 bis 22 Uhr läuft, solle eine Signalwirkung ausgehen, sagte der Präsident der Region Hannover, Steffen Krach (SPD). "Wir wollen so viele Impfstationen zur Verfügung stellen, dass jeder, der da ist, auch geimpft werden kann." Die Region werde in den nächsten Tagen dafür sorgen, dass genügend Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung stehen. "Ich möchte nicht, dass jemand weggeschickt wird und enttäuscht nach Hause geht."

Geplant sind mehrere Impfstraßen im dreistöckigen VIP-Bereich der HDI-Arena, wie der evangelische Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes erläuterte. Die Impflinge und Impfteams haben dort durch eine Glasfront direkten Blick in die Stadionränge, die festlich beleuchtet werden sollen. Impfungen auf den Rängen selbst seien wegen der niedrigen Temperaturen nicht möglich, hieß es. Singen zu Tausenden passe nicht in die momentane Corona-Lage, betonte Müller-Brandes - Impfen aber schon. Vor dem Osteingang des Stadions soll stattdessen ein Gospelchor für weihnachtliche Atmosphäre sorgen.

Eine der Impfstraßen soll sich gezielt an Kinder richten. "Impfen, impfen, impfen - das möchten wir den Eltern ans Herz legen", sagte die Medizinerin Agnes Genewein vom Vorstand des Kinderkrankenhauses auf der Bult in Hannover. "Wir wollen unbedingt einen Lockdown für Kinder verhindern." Voraussetzung ist, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) demnächst wie erwartet eine Empfehlung ausspricht, Kinder von fünf bis elf Jahren gegen das Coronavirus zu impfen.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sagte, die Aktion könne dazu beitragen, dass immer mehr Menschen ihre Scheu vor dem Impfen ablegten. "Impfen ist noch mit vielen inneren Hürden verbunden. Aber das Stadion ist ein Ort mitten im Herzen der Stadt, dem man vertraut." Der Geschäftsführer von Hannover 96, Martin Kind, sprach von einer kreativen Idee. "Ich bin ein bisschen stolz, für was so eine Arena alles verwendet werden kann: Fußball, Singen - und jetzt auch Impfen."

Für das abgesagte Stadionsingen hatten die Veranstalter bereits etwa 2.500 Eintrittskarten verkauft. Sie behalten ihre Geltung für 2022 oder werden erstattet. Der Erlös ist für obdachlose Menschen bestimmt. Zu den Initiatoren gehören auch der Hörfunk-Sender "Radio 21", das Straßenmagazin "Asphalt" und weitere Partner.