Kirche verwüstet - Verdächtiger festgenommen

Pfarrer Christoph Dinkel steht in der Johanneskirche Stuttgart an einer herausgerissenen Kirchenbank.

Bernd Weißbrod/dpa

Pfarrer Christoph Dinkel steht in der Johanneskirche an einer herausgerissenen Kirchenbank. Die Kirche ist mutmaßlich von einem 37-jährigen Mann demoliert worden.

Vandalismus
Kirche verwüstet - Verdächtiger festgenommen
Einen Schaden von mehreren zehntausend Euro hat ein Eindringling in der Stuttgarter Johanneskirche angerichtet. Die Polizei konnte den Tatverdächtigen festnehmen. Das ZDF will aus der Kirche einen Weihnachtsgottesdienst übertragen.

Nach der Verwüstung der evangelischen Johanneskirche in Stuttgart ist ein 37-jähriger Mann festgenommen worden. Er steht im Verdacht, in der Nacht zum 4. Dezember massive Zerstörungen in dem Gotteshaus angerichtet zu haben, wie die Polizei mitteilte. Der Schaden wird auf mehrere zehntausend Euro geschätzt.

Eine Passantin hatte den Angaben zufolge die Polizei verständigt, weil ein Mann andere Personen am Feuersee, wo auch die Johanneskirche steht, belästigt haben soll. Er habe kurz zuvor die Kirche verlassen. Die Beamten trafen den Störer zwar nicht mehr an, registrierten aber bei ihrem Besuch vor Ort die Schäden innerhalb der Kirche.

Am Tag darauf kontrollierte die Polizei den 37-Jährigen, auf den die Beschreibung vom Vortag zutraf in der Nähe der Kirche und fand mehrere elektronische Geräte, die mutmaßlich von einer Baustelle am Feuersee stammten. Er wurde festgenommen.

Mehr als 20 Fenster beschädigt

Weitere Recherchen legen nahe, dass der Mann in der Nacht zum Samstag auch an der S-Bahn-Haltestelle Feuersee randaliert hat. Zudem steht er im Verdacht, sich kurz vor Mitternacht in einer S-Bahn am Hauptbahnhof vor einer Frau entblößt zu haben.

Der mutmaßliche Täter demolierte in der Johanneskirche mehr als 20 Fenster mit zum Teil hochwertiger Glasmalerei. Er brach Schränke auf, warf eine Schranktüre von der Empore in den Kirchenraum und riss Bänke aus der Verankerung. Des Weiteren wurden Regale umgeworfen und Gesangbücher durch die Kirche geschleudert. Der Täter versprühte zudem den Inhalt eines Feuerlöschers. Gemeindepfarrer Christoph Dinkel sagte, Besucher hätten sich erschüttert gezeigt, dass "ihre" Kirche so einer Zerstörungswut ausgesetzt gewesen sei.

Fernsehgottesdienst geplant

Mit Abscheu reagierte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, auf die Zerstörungen. Es handele sich um einen "Akt exemplarischer Dummheit", erklärte July. Die Verwüstung sei "widerwärtig". Auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) reagierte entsetzt. Er verurteile diesen "Akt der Finsternis mitten im Advent" aufs Schärfste und stehe fest an der Seite der Kirchengemeinde, betonte der Oberbürgermeister.

Die Johanneskirche im Stuttgarter Westen wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts in neugotischem Stil erbaut und liegt auf der Halbinsel eines Löschwasserteichs. Auffällig ist ihr Turm, dem die Spitze fehlt. Er wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs mangels Geld nicht mehr vollständig wiedererrichtet und dient als Mahnmal für den Frieden.

An Heiligabend plant das ZDF die Übertragung eines Fernsehgottesdienstes aus der Johanneskirche Stuttgart.

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