Festnahmen nach Lynchmord in Pakistan

Festnahmen nach Lynchmord in Pakistan
Ein wütender Mob tötete den Manager einer Fabrik. Auslöser war wohl das Abhängen von Plakaten, auf denen der Name Mohammed gestanden haben soll.

Nach dem Lynchmord an einem Fabrikleiter in Pakistan wegen angeblicher Gotteslästerung hat die Polizei 124 Verdächtige festgenommen, wie der TV-Sender Geo News am Wochenende berichtete. Der aus Sri Lanka stammende Manager einer Textilfabrik in der pakistanischen Stadt Sialkot war nach einem Streit mit Angestellten von einem Mob mit Eisenstangen gefoltert und in Brand gesetzt worden. 13 der Festgenommenen sollen am Montag vor einem Anti-Terrorismus-Gericht in der Stadt Gujranwala erscheinen.

Einem vorläufigen Polizeibericht zufolge soll es bei der Auseinandersetzung zwischen dem 49-jährigen Priyantha Kumara und den Fabrikarbeitern um die Entfernung von Plakaten an den Wänden der Fabrikhalle gegangen sein. Da auf einigen Plakaten angeblich der Namen des Propheten Mohammed stand, wurde Kumara laut Geo News der Gotteslästerung beschuldigt.

Der herbeigerufene Fabrikbesitzer schlichtete zunächst den Streit, doch wenig später wurde Kumara von einem Mob von mehreren hundert Leuten angegriffen. Die für die Sicherheit zuständigen Wächter taten demnach nichts, um die Menge zu zerstreuen. Kumara arbeitete seit zehn Jahren in der Fabrik in Pakistan. Seine Frau forderte im Sender BBC Sinhala Gerechtigkeit für ihren Mann.

Ministerpräsident Imran Khan schrieb auf Twitter, die grausame Tat sei "ein Tag der Schande für Pakistan" und merkte an, dass das Opfer bei lebendigem Leib verbrannt sei. Die Verantwortlichen würden mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft, versicherte er. Der Regierungschef von Sri Lanka, Mahinda Rajapaksa, äußerte sich schockiert von dem brutalen Angriff durch einen "extremistischen Mob".

In Pakistan kann schon der bloße Verdacht der Gotteslästerung tödliche Folgen haben. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen gegen angebliche Täter. Der Fall der Christin Asia Bibi, die im November 2010 von einem Gericht wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, sorgte international jahrelang für Aufsehen. Bibi wurde Ende 2018 vom Obersten Gericht freigesprochen, musste jedoch aus Sorge um ihr Leben wenig später Pakistan verlassen.