Menschenrechtsverletzungen: Internationale Kritik an Taliban-Regime

Menschenrechtsverletzungen: Internationale Kritik an Taliban-Regime

Nach Berichten über die Tötung von mehr als 100 früheren Sicherheitskräften in Afghanistan haben über 20 westliche Staaten das Taliban-Regime scharf kritisiert. "Wir sind zutiefst besorgt über die Berichte über außergerichtliche Tötungen und das gewaltsame Verschwindenlassen ehemaliger Angehöriger der afghanischen Sicherheitskräfte", heißt es in einer am Sonntag vom Auswärtigen Amt veröffentlichten Erklärung, die neben Deutschland unter anderem von den USA, Australien, Kanada, Großbritannien und der Europäischen Union unterzeichnet wurde.

Die in Frage stehenden Taten stellten schwere Menschenrechtsverletzungen dar und stünden im Widerspruch zu der von den Taliban angekündigten Amnestie, heißt es in der Erklärung weiter. Die Amnestie für ehemalige Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte und ehemalige Regierungsbeamte müsse landesweit durchgesetzt werden: "Die dokumentierten Fälle müssen unverzüglich und transparent untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", fordern die Staaten und betonen: "Wir werden die Taliban weiterhin an ihren Taten messen."

"Human Rights Watch" hatte am Dienstag einen Bericht veröffentlicht, wonach die Taliban mehr als 100 frühere Sicherheitskräfte allein in vier afghanischen Provinzen getötet haben. Die Menschenrechtsorganisation dokumentierte die Hinrichtung oder Verschleppung von 47 ehemaligen Armeeangehörigen, Polizisten und Geheimdienstmitarbeitern in den Provinzen Ghazni, Helmand, Kunduz und Kandahar. Sie hatten sich zwischen Mitte August und Ende Oktober ergeben oder wurden von den Islamisten gefangen genommen. Insgesamt lägen glaubhafte Informationen zur Ermordung von mehr als 100 Menschen vor.

Die Taliban nutzten demnach unter anderem Angestelltenkarteien der Behörden und die Listen, in denen sich Sicherheitskräfte eintragen mussten, die sich den Islamisten ergeben hätten.