Gambia: Erste Präsidentschaftswahlen seit Sturz von Jammeh-Regime

Gambia: Erste Präsidentschaftswahlen seit Sturz von Jammeh-Regime

Im westafrikanischen Gambia wird am Samstag erstmals seit dem Sturz des Diktators Yahya Jammeh 2016 ein neuer Präsident gewählt. Es treten sechs Männer an, darunter der derzeitige Staatschef Adama Barrow. Die Abstimmung gilt als Test für den Übergangsprozess zur Demokratie und könnte die erste demokratisch legitimierte Regierung des Landes überhaupt an die Macht bringen. Rund 960.000 Menschen haben sich für die Wahl registrieren lassen.

Neben Amtsinhaber Barrow kandidiert auch Mama Kandeh, der von Jammeh unterstützt wird. Jammeh lebt seit seinem Sturz im Exil in Äquatorialguinea, hielt während des Wahlkampfs aber unter anderem Reden über Telefon. Präsident Barrow drohte Kandeh im November mit juristischen Schritten, sollte er Jammeh weiter eine Plattform geben. Barrows Kandidatur ist ebenfalls umstritten, weil dieser bei seiner Amtsübernahme angekündigt hatte, nur als Übergangspräsident fungieren zu wollen und nicht bei den Wahlen anzutreten.

Gambia hat seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1970 keinen demokratischen Machtwechsel erlebt. Der erste Präsident des Landes, Dawda Jawara, wurde nach 24 Jahren im Amt 1994 durch einen Putsch von Jammeh abgelöst. Jammeh regierte rund 22 Jahre lang mit harter Hand. Er verfolgte Oppositionelle, Medienangehörige und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten.

2016 hatte Jammeh die Wahl überraschend verloren, gab auf internationalen Druck das Amt auf und floh ins Ausland. Eine Wahrheits-, Versöhnungs- und Reparationskommission, die nach Jammehs Sturz eingesetzt wurde, hatte in der vergangenen Woche ihren Abschlussbericht vorgelegt und darin unter anderem die Strafverfolgung der Verantwortlichen für Verbrechen während des Jammeh-Regimes empfohlen.