Bericht: Taliban töten oder verschleppen frühere Sicherheitskräfte

Bericht: Taliban töten oder verschleppen frühere Sicherheitskräfte

Die Taliban haben Menschenrechtlern zufolge mehr als 100 frühere Sicherheitskräfte allein in vier afghanischen Provinzen getötet. Dies geht aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Organisation "Human Rights Watch" hervor. Darin wird die Hinrichtung oder Verschleppung von 47 ehemaligen Armeeangehörigen, Polizisten und Geheimdienstmitarbeitern in den Provinzen Ghazni, Helmand, Kunduz und Kandahar dokumentiert. Sie hatten sich zwischen Mitte August und Ende Oktober ergeben oder wurden von den Islamisten gefangen genommen. Insgesamt lägen glaubhafte Informationen zur Ermordung von mehr als 100 Menschen vor.

Der Bericht stützt sich auf 67 Interviews, die die Autorinnen und Autoren in den vier Provinzen führten, 40 davon in Person, 27 telefonisch. Befragt worden seien Augenzeugen, Angehörige, Freunde, frühere Beamte, Medienschaffende, Gesundheitspersonal und Taliban-Kämpfer.

Trotz einer Amnestie, die die Taliban bei ihrer Machtübernahme Mitte August verkündet hatten, würden frühere Regierungsbeamte, Soldaten und Polizisten getötet, erklärte Human Rights Watch. Dafür nutzten sie unter anderem Angestelltenkarteien der Behörden und die Listen, in denen sich Sicherheitskräfte eintragen mussten, die sich den Islamisten ergeben hätten. Gleichfalls würden Familienangehörige früherer Mitglieder der Sicherheitskräfte gezielt bedroht. Außerdem durchsuchten die Taliban Häuser - teils auch in der Nacht, um ehemalige Gegner zu finden und festzunehmen. Einige der Festgenommenen seien nicht wieder aufgetaucht, hieß es im Bericht.