Report: Angespannte wirtschaftliche Lage in vielen Pflegeheimen

Report: Angespannte wirtschaftliche Lage in vielen Pflegeheimen

Die wirtschaftliche Lage deutscher Pflegeheime verschlechtert sich nach einer Erhebung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen seit Jahren stetig. Die Situation sei angespannt, erklärte der RWI-Pflegeexperte Ingo Kolodziej am Montag in Essen zur Veröffentlichung des neuen Pflegeheim Rating Reports. Grund für die kontinuierliche Verschlechterung zwischen 2016 und 2019 sei der zunehmende Kostendruck der Heime.

Im Jahr 2019 befanden sich der Erhebung zufolge rund 20 Prozent der Einrichtungen im "roten Bereich" mit erhöhter Insolvenzgefahr, 38 Prozent im "grünen Bereich" mit geringer Insolvenzgefahr und 42 Prozent dazwischen im "gelben Bereich". Verschlechtert habe sich auch die Ertragslage: Schrieben 2016 rund zehn Prozent der Pflegeheime einen Jahresverlust, waren es im Jahr 2019 bereits 26,5 Prozent.

Gegenüber anderen Teilbereichen des Gesundheitsmarkts ist der Pflegemarkt den Angaben nach am stärksten gewachsen. Sein Anteil am gesamten Gesundheitsmarkt sei zwischen 1997 und 2019 von 9,8 Prozent auf 14,7 Prozent gestiegen. Damit rangiere die Pflege in ihrer Bedeutung aktuell an zweiter Stelle hinter den Krankenhäusern.

Hauptgrund für das Wachstum des Pflegemarkts sei die Alterung der Gesellschaft, hieß es. So sei bei konstanten Pflegequoten bis zum Jahr 2030 in Deutschland mit 4,9 Millionen Pflegebedürftigen zu rechnen, bis 2040 mit 5,6 Millionen. Das wäre gegenüber 2019 ein Anstieg um 20 beziehungsweise 35 Prozent.

Datengrundlage des "Pflegeheim Rating Report 2022" sind 427 Jahresabschlüsse aus den Jahren 2014 bis 2019. Sie umfassen insgesamt 2.113 Pflegeheime bzw. rund 14 Prozent des Marktes. Der Report wird gemeinsam vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Evangelischen Bank eG und der Curacon GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sowie mit Unterstützung der Terranus Consulting GmbH erstellt.