Ministerpräsident im Dialog mit den Autor:innen

Gesprächsrunde des Wartburg-Experiments am 2. November 2021 im Erfurter Augustinerkloster.

© TSK/Jakob Schröter

Neben den drei Protagonisten des Projektes - der Schriftstellerin Iris Wolff und den beiden Autoren Uwe Kolbe (2.v.l.) und Senthuran Varatharajah (2.v.r.) - war auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (l.) und Dr. Thomas A. Seidel (r.) ins Augustinerkloster gekommen.

"Wartburg-Experiment"
Ministerpräsident im Dialog mit den Autor:innen
Im Rahmen eines Podiumsgesprächs traf sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) mit den Autor:innen des "Wartburg-Experiments". Dabei ging es um persönliche Erlebnisse mit der Bibel-Übersetzung Martin Luthers.

Rund zwei Monate nach seinem Start am 7. September wurde das "Wartburg-Experiment" der Internationalen Martin Luther-Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft nun bei einem Podiumsgespräch in Erfurt der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben den drei Protagonisten des Projektes - der Schriftstellerin Iris Wolff und den beiden Autoren Uwe Kolbe und Senthuran Varatharajah - war auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) ins Augustinerkloster gekommen.

Mit Blick auf Martin Luthers (1483-1546) Übersetzung des Neuen Testaments vor 500 Jahre auf der Wartburg verbrachten Varatharajah und Kolbe bereits jeweils einen Monat auf der Veste. Als letzte des Trios zog Wolff auf der Burg ein, unterbrach ihren Aufenthalt dort bis Ende November aber für den kurzen Ausflug in die Landeshauptstadt.

Anliegen des Experimentes sei es, die Schreibenden in einen inneren Dialog mit der historischen Übertragung Luthers zu bringen, um dessen Sprach- und Deutungsarbeit nach Möglichkeit auch zu aktualisieren, sagte Stiftungsvorstand Thomas Seidel, der das "Biblische Quartett" in Erfurt durch den Abend geleitete.

Spurensuche mit der Bibel

Ausgehend von einem Bibelzitat gingen alle vier auf die Spurensuche ihres Glaubens, der - bis auf Kolbe - tief in ihrer Kindheit ruht. So erzählte Ramelow, der sich über seine mütterliche Verwandtschaft zu den Nachfahren des lutherischen Theologen Johann Philipp Fresenius (1705-1761) zählen kann, über eine Kindheit in gemeinsamer Armut ("wir hatten alle nichts") und Solidarität. Die Pfarrerstochter Wolff aus Siebenbürgen erinnerte daran, wie sie zum Vater in die Predigt lief, um ihn dringend zu sprechen; die Kirche sei ihr so vertraut gewesen, dass sie sich nicht als Störerin sah.

Varatharajah sprach davon, wie er als kleiner Junge aus Sri Lanka mit Hilfe der Bibel die deutsche Sprache lernte - und sich überhaupt nicht vorstellen konnte, dass diese Schrift eine Übersetzung sei. Nur Kolbe, Berliner Junge aus einem "proletarischen Haushalt", wie er selbst sagt, brauchte länger, um die Verse der Bibel schätzen zu lernen. Er schrieb 2017 sogar ein "Psalmen" betiteltes Buch. Nur weil er keiner Religion angehöre, sei er kein Atheist, betonte er.

Voller Saal: die Veranstaltung "Sie werden lachen die Bibel!" ist gut besucht.

Während Kolbe und Varatharajah - er schrieb auf der Wartburg seinen zweiten Roman zu Ende - den Aufenthalt auf der Veste priesen, kehrte Wolff nach dem Erfurter Gesprächsabend dorthin zurück. Wie zuvor ihre Kollegen wird sie sich tagsüber neben Luthers Schreibstube aufhalten und die Nacht im Hotel der Burg verbringen, vor allem aber: sich "vor der Welt verbergen".

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