Sudanesischer Ministerpräsident nach Militärputsch freigelassen

Sudanesischer Ministerpräsident nach Militärputsch freigelassen

Nach dem Putsch hat das sudanesische Militär den früheren zivilen Ministerpräsidenten Abdallah Hamdok freigelassen. Hamdok und seine Frau seien in ihr Haus in der Hauptstadt Khartum zurückgekehrt, das jedoch noch von Sicherheitskräften umstellt sei, berichtete der Nachrichtensender Al-Dschasira am Mittwoch. Die anderen Politiker blieben demnach an einem unbekannten Ort unter Hausarrest. Der US-amerikanische Außenminister Antony Blinken konnte nach Angaben des Außenministeriums in Washington bereits mit Hamdok telefonieren.

Das sudanesische Militär hatte am Montag die Übergangsregierung abgesetzt, den Notstand verhängt und mehrere Politiker unter Hausarrest gestellt. Der Anführer des Militärputsches, General Abdel Fattah al-Burhan, hatte die Festsetzung mit Sorgen über die Sicherheit der Politiker während der Machtübernahme begründet. Al-Burhan hatte am Dienstag angekündigt, eine Expertenregierung zu bilden.

Außenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete den Putsch als "katastrophale Entwicklung". Die Machtübernahme durch das Militär bringe das Land in eine bedrohliche Lage und stelle die demokratische und friedliche Zukunft des Landes in Frage. Das Bundesentwicklungsministerium will die Zusammenarbeit mit der Regierung des Sudans bis auf weiteres auszusetzen. In Khartum gingen nach dem Putsch Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die neuen Machthaber zu demonstrieren. Mindestens zehn Menschen wurden Medienberichten zufolge getötet.

Die Machtübernahme am Montag war der zweite Putsch innerhalb von gut zwei Jahren im Sudan. 2019 hatte das Militär das langjährige Regime von Präsident Omar al-Baschir gestürzt. Danach war eine Übergangsregierung aus Zivilisten und Militärs eingesetzt worden. In den vergangenen Wochen nahmen die Spannungen zwischen den beiden Gruppen zu. General al-Burhan versprach, an den Plänen für die Abhaltung von Wahlen im Jahr 2023 festzuhalten.