Entfremdungs-Gefahr bei Vätern doppelt so groß wie bei Müttern

Entfremdungs-Gefahr bei Vätern doppelt so groß wie bei Müttern

Innerhalb von zehn Jahren entsteht laut einer aktuellen Studie der Universitäten Halle und Köln bei 20 Prozent aller erwachsenen Kinder eine anhaltende Distanz zu ihren Vätern. Dagegen seien nur neun Prozent der Mütter von einer dauerhaften Funkstille betroffen, teilte die Universität am Montag in der Saalestadt mit. Die Bindung des Kindes - egal ob Sohn oder Tochter - zur Mutter sei oft enger als zum Vater, hieß es zur Erklärung.

Besonders gefährdet sind laut Studie Familien, in denen ein Elternteil verstorben ist oder in denen nach einer elterlichen Trennung ein Stiefelternteil hinzukam. Oft sei ein distanziertes Verhältnis jedoch nicht dauerhaft. In der Studie näherten sich in 62 Prozent der Fälle die Kinder ihrer Mutter und 44 Prozent ihrem Vater wieder an.

Die Forscher beziehen sich nach eigenen Angaben in ihrer Analyse auf die Befragung von mehr als 10.000 Männern und Frauen, deren Daten Eingang in die "pairfam"-Längsschnittstudie gefunden haben. Dabei handele es sich um ein 2008 gestartetes Beziehungs- und Familienpanel, das partnerschaftliche und familiäre Lebenssituationen in Deutschland untersuche.

Für die neue Studie nutzten laut der Universität die beteiligten Soziologen Datenmaterial aus den Jahren 2008 bis 2018. Dabei seien die Angaben von Kindern im Alter von 18 bis 45 Jahren betrachtet worden, die keinen gemeinsamen Wohnsitz mit ihren Eltern haben. Von einer Entfremdung sprechen die Forscher bei einer Kombination aus zwei Kriterien: Wenn Kind und Elternteil weniger als einmal im Monat Kontakt haben und sich dann auch noch emotional nicht nahestehen.