Aufruf für großzügigere Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

Geflüchtete aus Afghanistan in einem behelfsmäßigen Flüchtlingslager

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Geflüchtete aus Afghanistan in einem behelfsmäßigen Lager in Velika Kladusa, Bosnien-Herzegowina.

Appell der NRW-Landeskirchen
Aufruf für großzügigere Aufnahme afghanischer Flüchtlinge
Die drei evangelischen Landeskirchen in NRW mahnen nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan großzügige humanitäre Aufnahmeprogramme und einen erleichterten Familiennachzug an. Die Afghan:innen, die beim Aufbau eines demokratischen Landes geholfen hätten, fühlten sich nun zu Recht von Deutschland und von Europa im Stich gelassen, so ein am Donnerstag veröffentlichtes Wort der leitenden Geistlichen der rheinischen, westfälischen und lippischen Landeskirche.

Die evangelischen Kirchen fordern auch ein nennenswertes Resettlement-Kontingent zur Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge, die in ihrem Erstaufnahmeland nicht bleiben können. Zudem müssten alle in Deutschland lebenden Afghan:innen einen sicheren Aufenthaltsstatus bekommen.

Ländern und Kommunen, die sich zu einer Aufnahme bereit erklärt hätten, solle diese endlich ermöglicht werden. Die nordrhein-westfälischen Landeskirchen und ihre Kirchengemeinden seien gerne bereit, "gemeinsam mit einer engagierten Zivilgesellschaft die Aufnahme und Integration der Geflüchteten zu unterstützen und zu begleiten".

"Mit dem Abzug aller Streitkräfte endet unsere Verantwortung als Europäerinnen und Europäer gerade nicht", heißt es in der Erklärung, die vom rheinischen Präses Thorsten Latzel, der westfälischen Präses Annette Kurschus und dem Lippischen Landessuperintendenten Dietmar Arends unterzeichnet ist. "Diese Menschen sind in besonderer Weise 'unsere Flüchtlinge'." Gerade auch für sie müssen Fluchtwege nach Europa offengehalten und die Aufnahme von Geflüchteten aus Afghanistan ermöglicht werden.

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