Bericht: Kinderehen führen zu 22.000 Todesfällen bei Mädchen pro Jahr

Bericht: Kinderehen führen zu 22.000 Todesfällen bei Mädchen pro Jahr

Jedes Jahr sterben einer Studie zufolge mehr als 22.000 Mädchen an den Folgen früher Schwangerschaften und Geburten. Das seien etwa 60 Mädchen pro Tag, erklärte die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" bei der Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts zum Weltmädchentag am Montag. Grund dafür seien Kinderehen, die wegen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie erwartungsgemäß noch weiter zunehmen werden. "Frühverheiratung ist eine der schlimmsten und tödlichsten Formen sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Mädchen!", erklärte die Chefin der Organisation, Inger Ashing.

Zwar sind laut dem Bericht in den vergangenen 25 Jahren Fortschritte erzielt und schätzungsweise 80 Millionen Kinderehen vermieden worden. Diese positive Entwicklung stagnierte jedoch bereits vor Beginn der Corona-Pandemie. Die Maßnahmen gegen die Pandemie haben demnach die soziale Ungleichheit weiter verschärft und damit Kinderehen begünstigt. Zunehmende Armut, Schulschließungen und überlastete Gesundheitsversorgung hätten während der Corona-Zeit die Risiken für Frauen und Mädchen erhöht. Die Expertinnen und Experten erwarten daher, dass bis 2030 das Leben weiterer zehn Millionen Mädchen durch Kinderehen in Gefahr sein wird.

Am weitesten verbreitet sind Kinderehen demnach in West- und Zentralafrika. Fast die Hälfte der geschätzten Todesfälle, etwa 9.600, ereigneten sich in diesen Ländern. Die Sterberate bei Müttern im Teenageralter sei in der Region viermal so hoch wie in anderen Teilen der Welt. Aber auch in Südasien seien die Zahlen mit jährlich etwa 2.000 Todesfällen erschreckend hoch. In Ostasien und der Pazifikregion sterben dem Bericht zufolge jedes Jahr 650 Mädchen an Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, in Lateinamerika und der Karibik 560, hieß es im "Globalen Mädchenbericht 2021: Die Rechte der Mädchen in Krisen".

"Jedes Jahr werden Millionen Mädchen in Ehen gezwungen, oftmals mit viel älteren Männern", kritisierte Ashing. "Sie dürfen nicht länger Kinder sein, müssen die Schule verlassen und sogar ihr Leben ist in Gefahr. Denn Komplikationen bei einer Geburt sind die häufigste Todesursache bei Mädchen im Teenageralter." Sie davor zu schützen könne nur gelingen, wenn Mädchen das Recht hätten mitzureden.