Friedensverband fordert Konsequenzen nach Afghanistan-Militäreinsatz

Friedensverband fordert Konsequenzen nach Afghanistan-Militäreinsatz

Nach dem gescheiterten Militäreinsatz in Afghanistan fordert die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden von den Abgeordneten des nächsten Bundestages eine "kritische, ehrliche und möglichst unabhängige Bilanz". Der Militäreinsatz bedeute insgesamt ein Versagen der westlichen Politik, heißt es einer am Samstag veröffentlichten Resolution der Mitgliederversammlung der Aktionsgemeinschaft, die in Wetzlar tagte. Angesichts der mehr als 240.000 Opfer des Konflikts am Hindukusch seit 2001, darunter 59 getöteten Soldatinnen und Soldaten der Bundesswehr, sollte künftig auf das Zeremoniell eines Großen Zapfenstreichs verzichtet und stattdessen eine kritische Gedenkkultur entwickelt werden, forderte der Friedensverband.

Kritik äußerte der Friedensverband auch an den Kirchen. Sie hätten sich nicht zu einer eindeutigen und gemeinsamen Position zu dem Militäreinsatz in Afghanistan durchringen können, obwohl das unter anderem den friedensethischen Kriterien der 2007 veröffentlichten Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) widersprochen habe, beklagten die Mitglieder. Bis heute fehle eine friedensethische Gesamtbewertung dieses Einsatzes.

In einem neuen Diskurs müsse sich die evangelische Kirche fragen, welche christlich begründeten Handlungsoptionen sich für eine "Kirche des gerechten Friedens" im Blick auf andere und künftige Einsätze ergäben, damit sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werde, wandte sich der Friedensverband an die EKD. Vorrang sollten stets Zivile Konfliktbearbeitung und die professionelle Begleitung von Soldatinnen und Soldaten, die den Kriegsdienst verweigern wollen, haben.

In der Resolution sprechen sich die AGDF-Mitglieder dafür aus, den Menschen, die nach der Machtübernahme der Taliban fliehen mussten, Schutz zu gewähren. Die künftige Bundesregierung solle sich zudem dafür einzusetzen, dass auch andere EU-Staaten Geflüchtete aufnähmen. Abschiebungen nach Afghanistan sollten weiter ausgesetzt, die humanitäre Hilfe sowie die Entwicklungszusammenarbeit aber fortgeführt werden, da Sanktionen derzeit zu Lasten der Bevölkerung gingen, hieß es. Die westliche Politik sollte sich zudem diplomatisch bemühen, Einfluss auf die Taliban zu nehmen, um so die Situation der Bevölkerung zu verbessern.