Kölner Erzbischof Woelki darf im Amt bleiben

Portrait von Kardinal Woelki

© epd-bild/Guido Schiefer

Der Papst belässt Woelki im Amt und gewährt ihm eine Auszeit bis März 2022.

Nach Vatikan-Prüfung
Kölner Erzbischof Woelki darf im Amt bleiben
Rund drei Monate nach Abreise der päpstlichen Visitatoren hat Papst Franziskus seine Entscheidung über den Kölner Kardinal Woelki bekanntgegeben: Dieser habe "große Fehler" gemacht, soll aber im Amt bleiben. Er zähle auf ihn, erklärte der Pontifex.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki bleibt im Amt. Papst Franziskus habe Woelki auf dessen eigenen Wunsch aber eine mehrmonatige "geistliche Auszeit" gewährt, heißt es in einer Erklärung des Heiligen Stuhls vom Freitag. Woelki war wegen der Missbrauchsaufarbeitung in seinem Bistum in die Kritik geraten.

In einer ersten Stellungnahme am Freitag räumte der Kardinal Fehler bei der Aufarbeitung und in der Kommunikation ein. "Das tut mir leid, das bedauere ich", sagte er und betonte: "Dafür übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung."

Im Juni hatten die Apostolischen Visitatoren, Kardinal Anders Arborelius aus Stockholm und der Rotterdamer Bischof Johannes van den Hende, im päpstlichen Auftrag die Lage im größten deutschen Bistum untersucht. Der Heilige Stuhl erklärte zum Ergebnis der Visitation, es habe sich kein Hinweis darauf ergeben, dass Woelki im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs rechtswidrig gehandelt hat. "Die Behauptungen, der Kardinal habe, insbesondere durch das anfängliche Zurückhalten einer ersten Studie, vertuschen wollen, wird durch die inzwischen publizierten Fakten und die durch den Heiligen Stuhl geprüften Dokumente widerlegt", heißt es.

Vertrauenskrise im Erzbistum

Dennoch habe Kardinal Woelki "in der Herangehensweise an die Frage der Aufarbeitung insgesamt, vor allem auf der Ebene der Kommunikation, auch große Fehler gemacht". Das habe wesentlich zu einer Vertrauenskrise im Erzbistum beigetragen.

Woelki gab unmittelbar nach Bekanntgabe der päpstlichen Entscheidung vor Journalisten in Köln eine Stellungnahme ab, in der er im Wesentlichen die Mitteilung des Heiligen Stuhls referierte und von seinem Gespräch mit dem Papst aus der vergangenen Woche berichtete. Mehrfach betonte er, dass ihm seine Fehler leid täten. "Aufrichtig und von Herzen" tue es ihm leid, dass von sexualisierter Gewalt Betroffene wegen Fehlern bei der Aufarbeitung erneut retraumatisiert worden seien.

Die "geistliche Auszeit" für den 65 Jahre alten Kardinal soll Mitte Oktober beginnen und bis zum Beginn der österlichen Bußzeit am Aschermittwoch, dem 2. März 2022, dauern. Die Amtsgeschäfte übernimmt bis dahin Weihbischof Rolf Steinhäuser als Apostolischer Administrator. "Der Heilige Vater zählt auf Kardinal Woelki, er anerkennt seine Treue zum Heiligen Stuhl und seine Sorge um die Einheit der Kirche. Gleichzeitig ist offenkundig, dass Erzbischof und Erzbistum einer Zeit des Innehaltens, der Erneuerung und Versöhnung bedürfen", erklärte der Heilige Stuhl.

Ein im März veröffentlichtes Rechtsgutachten zur Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt hatte Woelki persönlich zwar keine Pflichtverletzungen nachgewiesen, dennoch steht er seit Monaten in der Kritik - vor allem innerhalb seines Erzbistums.

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Gutachtens hatten die beiden Kölner Weihbischöfe Ansgar Puff und Dominikus Schwaderlapp den Papst um ihren Rücktritt gebeten. In beiden Fällen entschied der Papst, sie im Amt zu belassen. Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der zuvor im Kölner Erzbistum tätig war, hatte seinen Rücktritt angeboten, den der Papst ebenfalls ablehnte. Diese Entscheidung war bereits in der vergangenen Woche verkündet worden.

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