Statistik: Weniger unter Dreijährige in Kindertagesbetreuung

Statistik: Weniger unter Dreijährige in Kindertagesbetreuung
In Kitas und in der Tagespflege sind im vergangenen Jahr weniger Kinder betreut worden. Die Verbände sprechen von einem vorübergehenden Effekt der Corona-Pandemie.

Die Zahl der in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreuten Kinder unter drei Jahren ist zum ersten Mal seit Jahren gesunken. Zum Stichtag 1. März 2021 seien insgesamt 809.908 Kinder dieser Altersgruppe in öffentlicher Betreuung gewesen und damit 2,3 Prozent weniger Kinder als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Dies sei der erste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2006.

Die Statistiker gehen davon aus, dass der Rückgang neben der Bevölkerungsentwicklung auch mit der Corona-Pandemie zusammenhängt. Wegen der Krisensituation seien neue Betreuungsverträge teilweise nicht abgeschlossen worden, weil etwa "Schnuppertage" oder die Eingewöhnung der Kinder in den Kitas nur eingeschränkt möglich gewesen seien. Zudem seien eine geringere Nachfrage oder die Kündigung von Verträgen aufgrund einer Betreuung zuhause denkbar, hieß es. Die Betreuungsquote sank den Angaben zufolge um 0,6 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent. Im vergangenen Jahr betrug die Quote noch 35 Prozent.

Der Bundesverband für Kindertagespflege blickt gelassen auf den Rückgang der in Tagespflegestellen betreuten Kinder. "Wir schätzen den leichten Rückgang als vorübergehenden Effekt ein", sagte der Geschäftsführer Heiko Krause auf epd-Anfrage. Der Stichtag der Statistik liege inmitten der Corona-Krise. Manche Eltern seien besorgt gewesen, ihre Kinder in die Tagespflege zu bringen, andere wiederum hätten die Kinder zuhause betreuen können. Er fügte hinzu, dass der Wunsch von Eltern nach qualifizierter Kinderbetreuung auch mit mehr Home-Office-Optionen nicht geringer würde.

Der Deutsche Kitaverband bestätigte, dass viele Eingewöhnungen zum Start des neuen Kitajahres im August 2020 nicht stattgefunden hätten und deshalb auf das Frühjahr 2020 verschoben worden seien. Die Leiterin des Hauptstadtbüros des Verbandes, Claudia Geisler, sagte dem epd, man gehe davon aus, dass sich die Effekte aus der Corona-Pandemie im nächsten Jahr wieder normalisieren werden.

Auch zeigt die Statistik, dass es in der Kinderbetreuung noch immer große Ost-West-Unterschiede gibt: Während in Ostdeutschland durchschnittlich mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren in einer Tagesbetreuung waren (52,3 Prozent), waren es im Westen nur knapp ein Drittel (30,6 Prozent). Bei den drei- bis unter sechsjährigen Kindern ist dieser Unterschied geringer (Ost: 94 Prozent, West: 91,4 Prozent). Bundesweit nehmen den Angaben zufolge rund 3,9 Millionen Kinder unter 14 Jahren ein Angebot der Kindestagesbetreuung in Anspruch. Seit dem 1. August 2013 gibt es für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz.

Die Zahl der Kindertageseinrichtungen stieg den Statistikern zufolge um 1,6 Prozent oder 900 Einrichtungen. Bundesweit gab es zum Stichtag 58.500 Kindertageseinrichtungen. Die Zahl der dort Beschäftigten stieg um 3,2 Prozent auf insgesamt 751.159 Personen. Von ihnen arbeiteten 708.136 als pädagogisches oder als Leitungs- und Verwaltungspersonal in Kitas. Die Zahl der Tagesmütter und -väter betrug 43.023.

Der Anteil von Männern, die in der Kindertagesbetreuung tätig sind, ist laut dem Bundesamt nach wie vor gering. Ihr Anteil liege bei 7,4 Prozent, habe sich seit 2011 jedoch fast verdoppelt (2011: 3,8 Prozent), hieß es. Zum Stichtag waren 55.455 Männer im pädagogischen, Leitungs- und Verwaltungsbereich in einer Kita beschäftigt oder als Tagesvater aktiv. Die meisten männlichen Kita-Beschäftigten oder Tagesväter gibt es demnach in Berlin und Hamburg (jeweils 12,5 Prozent).