Barenboim: Musikerziehung in der DDR war besser

Barenboim: Musikerziehung in der DDR war besser

Der Berliner Starpianist und Dirigent Daniel Barenboim sieht die musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen in deutschen Schulen vernachlässigt. Zwar seien Bundesregierung und die Länder vergleichsweise sehr großzügig mit der Förderung der Kultur, sagte der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden der "Berliner Morgenpost" (Samstag): "Aber für die musikalische Erziehung gibt es keine wirkliche Subvention, und die Schulen tun zu wenig."

Barenboim kündigte weiter an, demnächst "eine Musikerziehungsklasse in einer Berliner Schule" zu eröffnen: "Wir beginnen in einer ersten Klasse, es wird Musik- und Klavierunterricht geben. Das möchte ich bis zum Abitur ausbauen." Dafür gebe es mehrere Lehrer. Damit wolle er ein Beispiel für musikalische Erziehung geben. "Man muss einmal zugeben, dass die musikalische Erziehung in der DDR und der Sowjetunion besser war als die im Westen", so Barenboim: "Das hat nichts mit Kommunismus zu tun, aber wir müssen jetzt die Ausbildung erneuern."

Auf die Frage, warum sich die musikalische Ausbildung verschlechtert habe, sagte Barenboim: "Es ist eine Frage des Zeitgeistes, unsere Welt ist im Moment geistlos." Es passierten viele interessante Dinge, "wir kümmern uns etwa um die künstliche Intelligenz". Das sei wunderbar. "Aber das ist kein Geist. Denn der Geist ist immer eine Mischung aus Gefühl, Gedanken und Charakter. Das ist heute zweitrangig geworden, leider auch in der Politik", so das Fazit des weltberühmten Musikers.