Initiative "Bauhaus der Erde" kommt nach Potsdam

Initiative "Bauhaus der Erde" kommt nach Potsdam
In der Klimadebatte lange vernachlässigt, rückt der Bausektor zunehmend in den Fokus, wenn es um die Verringerung von Treibhausgasen geht. In Potsdam entsteht jetzt ein Zentrum, das sich die Transformation der Branche zum Ziel gesetzt hat.

Die Initiative "Bauhaus der Erde" für eine ökologisch-soziale Wende im Bausektor hat künftig ihren Sitz in Potsdam und wird vom Land Brandenburg finanziell gefördert. Die vom Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber ins Leben gerufene gemeinnützige GmbH soll ab 2022 jährlich eine halbe Million Euro erhalten, sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Freitag in Potsdam. Der Klimaschutz sei in den kommenden Jahren "die zentrale Aufgabe der Politik". Potsdam sei mit seinen renommierten Klimaforschungseinrichtungen dafür der perfekte Standort.

In den kommenden Jahren sollen den Angaben zufolge mindestens 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Baufachleute und Kreative das Projekt mit Sitz in Potsdam voranbringen. Zunächst werde die Initiative aus einem "Think Tank, Innovationslab und Netzwerk" bestehen, hieß es.

Durch Errichten, Nutzen und Rückbau von Gebäuden sei der Bausektor für rund 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, sagte der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Schellnhuber. Etwa elf Prozent der globalen Emissionen gingen dabei auf das Konto der Betonproduktion. Ziel einer Transformation des Bausektors sei eine ökologisch nachhaltig, sozial gerecht und ästhetisch ansprechend gestaltete "gebaute Umwelt".

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Florian Pronold (SPD), stellte dem "Bauhaus der Erde" ab der kommenden Legislaturperiode eine Förderung von fünf Millionen Euro jährlich in Aussicht. Eine entsprechende Verständigung darüber gebe es bereits zwischen dem Bundesfinanzministerium und seinem Haus. Für die Aufbauphase stellt außerdem die Laudes Foundation mit Sitz in Zug in der Schweiz den Angaben zufolge 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Laut "Bauhaus der Erde" sind zentrale Elemente einer ökologischen Bauwende die Wiederaufforstung bereits genutzter Flächen, die Wiederbefeuchtung von Mooren, nachhaltige Forstwirtschaft und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe für Renovierungen und den Bau neuer Häuser und Städte. In Anlehnung an die legendäre Bauhaus-Bewegung des 20. Jahrhunderts will das "Bauhaus der Erde" gut 100 Jahre später "ganzheitlich denken, experimentieren und wirken", um die intellektuelle Grundlage für die überfällige Transformation zu schaffen, heißt es in der Selbstdarstellung.

Co-Geschäftsführer Philipp Misselwitz betonte, das "Bauhaus der Erde" wolle keine rein akademische Institution werden, "sondern vor allem konkrete Reallabore initiieren" sowie Innovationen im Denken und Handeln fördern. Schellnhuber berät den Angaben zufolge auch das von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lancierte Vorhaben "New European Bauhaus" für ein ökologisches und nachhaltiges Zusammenleben in Europa.

Schellnhuber gilt als einer der renommiertesten Klimaexperten. Von 1992 bis 2018 war der heute 71-Jährige Direktor des PIK. Von 2009 bis 2016 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Zudem ist er langjähriges Mitglied des Weltklimarats (IPCC).