Streit um "Reformationsfenster" verschärft sich

Schlichte Kirchenfenster in der Marktkirche Hannover

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Noch sind die alten Fenster drin: Der Erbe des Architekten Oesterlen hat gegen den Einbau des von Gerhard Schröders finanzierten Fensters in der Marktkirche Hannover geklagt. Der Künstler Markus Lüpertz und der Altkanzler hatten das sogenannte Reformationsfenster bereits abgenommen.

Gegner sammeln Unterschriften
Streit um "Reformationsfenster" verschärft sich
Der Widerstand gegen den geplanten Einbau des von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gestifteten "Reformationsfensters" in die Marktkirche in Hannover wächst.

Gegner des Kunstwerks hätten dem Kirchenvorstand inzwischen hundert Unterschriften vorgelegt, sagte Daniel von dem Knesebeck vom Verein "Initiative für die Bewahrung und Gestaltung der Marktkirche" am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Ebenso wie der Architekten-Erbe Georg Bissen wollen sie die Installation verhindern, weil es aus ihrer Sicht nicht in die spätgotische Backsteinkirche passt. Auf einer eigens angelegten Webseite haben die Kritiker eine Petition gestartet.

Das zwölf Meter hohe Buntglasfenster, das von dem Künstler Markus Lüpertz entworfen wurde, ist von der Glasmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein bereits fertiggestellt worden. Schröder und Lüpertz haben es dort begutachtet und abgenommen. Das Kunstwerk zeigt eine große weiße Figur, die den Reformator Martin Luther (1483-1546) darstellen soll, sowie viele andere Motive mit Bezug zur Reformation. Für kontroverse Diskussionen sorgen vor allem fünf große schwarze Fliegen, die für das Böse und die Vergänglichkeit stehen. Die im 14. Jahrhundert errichtete Marktkirche ist die größte und älteste Kirche in Hannover und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

Die Gegner fordern zuerst ein Gesamtkonzept zur Gestaltung der Kirche, bevor es bauliche Veränderungen gibt. Mit den über hundert Unterschriften könnten sie nun eine Gemeindeversammlung erzwingen, sagte Knesebeck. Diese könne dann über das Konzept entscheiden. "Ich persönlich könnte mir sehr gut ein Gesamtkonzept mit zehn neuen Buntglasfenstern vorstellen", sagte der Vereinssprecher. Diese müssten aber der spirituellen Erbauung dienen: "Die Marktkirche ist keine Galerie oder irgendein Museum, in dem man Künstler lustig und wild mit Provokationen experimentieren lässt."

Scharfe Kritik übte Knesebeck am künstlerischen Konzept der schwarzen Fliegen. Eine solche Darstellung des Bösen und des Teufels passe nicht in eine Kirche. Entschieden wandte er sich auch gegen eine Äußerung von Markus Lüpertz, der gesagt hatte, über Gott stehe noch der Künstler. Wer so etwas behaupte, den könne keine Gemeinde mit der Gestaltung einer Kirche beauftragen. Für ein "Sakrileg" hält es der Verein, "dass die Marktkirche einem Altkanzler ihre Südfassade wie eine Plakatwand verhökert". Das Kunstwerk sei der Marktkirche unwürdig und werde auch dem Reformator Luther nicht gerecht.

Die Kosten für das Fenster werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Schröder, Ehrenbürger von Hannover, hat sie bereits beglichen. Der frühere Bundeskanzler wollte dafür Vortragshonorare weitergeben. Anlass für das Geschenk war das 500. Reformationsjubiläum 2017.

Ob das Fenster eingebaut werden darf, ist auch vor dem Oberlandesgericht Celle anhängig. Der Architekten-Erbe Bissen hat Beschwerde dagegen eingelegt. Sein Stiefvater Dieter Oesterlen (1911-1994) hatte die im Krieg zerstörte Marktkirche nach 1946 wiederaufgebaut und neu gestaltet. In erster Instanz hatte das Landgericht Hannover im Januar den Einbau erlaubt (AZ: 18 O 74/19). Es bestätigte damit einen Beschluss des Kirchenvorstands.

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