Kirchenpräsident für Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen

Evakuierung aus Afghanistan

© epd-bild/Marc Tessensohn

Evakuierte aus Afghanistan erreichen den internationalen Airport Taschkent in Usbekistan.

Volker Jung im Sommergespräch
Kirchenpräsident für Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat sich tief bewegt über die Situation in Afghanistan geäußert. Die volle Aufmerksamkeit müsse jetzt denen gelten, die das Land verlassen wollten, sagte Jung am Mittwochabend in Frankfurt am Main.

Konkret nannte er Ortskräfte, die das zivile Engagement in Afghanistan unterstützt haben, deren Angehörige sowie Personen, die auf die Zusammenführung mit ihren Familien in Deutschland warten.

Es gehe um eine begrenzte Anzahl von Menschen, "die wir aufnehmen können, auch mit kirchlicher Unterstützung", hob der Kirchenpräsident hervor. In den Gemeinden seien viele bereit, Flüchtlinge zu begleiten. Schließlich müsse der Einsatz der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan gründlich und gut aufgearbeitet werden, forderte Jung. Nach dem Scheitern des Militäreinsatzes sei es an der Zeit, den Blick auf die zivile Konfliktbearbeitung zu richten.

In der Corona-Pandemie werde sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) weiter an der Grundhaltung der Verantwortungsübernahme für andere orientieren, sagte Jung. Ziel sei es, sich mit weiteren Impfungen wieder der Normalität anzunähern. Kinder, Jugendliche und Studierende hätten in der Pandemie große Lasten tragen müssen, "deswegen sollte das nächste Schul- und Studienjahr wieder ein Präsenzjahr werden".

Jung appeliert auch an Impfmoral

Um die Impfmoral in der Bevölkerung zu stärken, werbe die Kirche mit der Aktion "#EinPikserFürAlle" ab sofort öffentlich für Corona-Schutzimpfungen, fügte Jung hinzu. Darin erklärten Mitarbeitende und Ehrenamtliche vor allem in den sozialen Netzwerken der EKHN, warum Impfungen für sie wichtig seien. Die Aktion solle vor allem dazu beitragen, "die Impfung auch als gemeinschaftliche Aufgabe zu betrachten". Nächstenliebe und Solidarität seien hierfür wichtige Motive.

Der hessen-nassauische Kirchenpraesident Volker Jung ging beim Sommergespräch mit der Presse auf aktuelle Themen ein. (Archivbild)

Jung ging bei dem traditionellen Sommergespräch in der Evangelischen Akademie Frankfurt auch auf die in den jüngsten Naturkatastrophen spürbar gewordene "Verwundbarkeit und Gefährdung unseres Lebens" ein. Der Klimawandel werde das Thema der Zukunft sein und zu verschärften gesellschaftlichen Konflikten führen, prognostizierte er. Er sehe darin auch eine große Herausforderung für die Kirche, denn Nachhaltigkeit sei ein Grundthema, "das tief mit den Inhalten des christlichen Glaubens verbunden ist".

Wichtige innerkirchliche Themen seien der Zukunftsprozess "ekhn2030", mit dem die Kirche dem Mitgliederschwund und den damit verbundenen Einnahmeverlusten begegnen will, sowie die Aufarbeitung der Fälle sexualisierter Gewalt in der Kirche, sagte Jung. Der Rückgang der Ressourcen müsse gestaltet werden, er erfordere eine "Konzentration auf den Auftrag des Evangeliums". Zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen schlug er die Errichtung einer externen Stelle vor.

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