Gemischte Teams statt Einzelkämpfer

Gespräch mit Pfarrer

© epd-bild/Andrea Enderlein

Der Kirchenbezirk Landau hat ein neues Konzept für Pfarrstellen entwickelt. Erreicht werden soll, dass die Zeit der Einzelkämpfer:innen in den Pfarrämtern in wenigen Jahren vorbei ist. Dafür sind viele Umverteilungen von Aufgaben und Abstimmungsgespräche erforderlich (Archivbild).

Weniger Pfarrstellen - Was tun?
Gemischte Teams statt Einzelkämpfer
Groß angelegtes Projekt des Kirchenbezirks Landau
Im Kirchenbezirk Landau sind die personellen Grenzen erreicht. Die von der pfälzischen Kirchenregierung beschlossene Reduzierung der Pfarrstellen bis Ende 2024 sei in der bisherigen Struktur nicht umsetzbar, sagte Dekan Volker Janke dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Hinzu komme, dass wegen eklatanten Nachwuchsmangels bei den Theologen wahrscheinlich nicht einmal die geringere Stellenzahl vollständig besetzt werden könne. Pfarramtsbereiche könnten nicht mehr so zugeschnitten werden, dass die Arbeit annähernd gleichmäßig verteilt werden könne, sagte Dekan Janke. Mit dem nächsten Pfarrstellenbudget, das bis zum Jahr 2030 weitere Stellenstreichungen bringe, verschärfe sich die Situation zusätzlich. Mit einem groß angelegten Projekt will der Kirchenbezirk daher eine zukunftsfähige Organisationsform für die Pfarrgemeinden erarbeiten.

Ziel des Projektes ist, Pfarrer:innen möglichst von allen Aufgaben zu entlasten, die nicht direkt auf Menschen ausgerichtet sind. "Alles, was Verwaltung ist, muss aus dem Pfarramt weg", sagte Janke. Er weiß aber auch: "Die große Frage wird sein, wie das finanziert werden kann."

Erreicht werden soll auf jeden Fall, dass die Zeit der Einzelkämpfer:innen in den Pfarrämtern in wenigen Jahren vorbei ist. Ersetzt werden sollen diese Pfarrämter vor Ort durch regionale Mehrstellenpfarrämter mit sogenannten gemischt-professionellen Teams.

Mehrstellenpfarrämter gibt es bisher nur in größeren Städten, etwa die Pfarrstellen Landau eins, zwei und drei. Ähnliche Strukturen sollen in den drei Kooperationsregionen des Kirchenbezirks entstehen. Dann würden keine Stellen mehr in einzelnen Gemeinden besetzt, sondern eine von vier, fünf oder sechs Stellen in einer Region. Jede der drei Kooperationszonen des Kirchenbezirks müssten so bis Ende 2024 jeweils eine Stelle abbauen. Der Kirchenbezirk hätte dann noch 16 Pfarrstellen.

Ergänzt würden diese Teams aus Pfarrer:innen durch Mitarbeiter des Gemeindepädagogischen Dienstes, durch Kirchenmusikerinnen und Pfarrassistenten sowie möglicherweise auch durch Verwaltungskräfte. In den gemeinsamen Dienstbesprechungen dieser gemischt-professionellen Teams könnte auf Augenhöhe die anfallende Arbeit in einer Kooperationsregion organisiert und verteilt werden, hofft Janke.

Vereinzelte Widerstände

Wichtig in dieser neuen Struktur sei, dass die Menschen in den Orten ihre Pfarrerin oder ihren Pfarrer nicht verlören, sagte der Dekan. Jeder Pfarrstelle solle daher ein bestimmter Seelsorgebezirk zugeordnet werden. Dann wüssten die Menschen weiterhin, wer ihre Pfarrerin oder ihr Pfarrer ist.

Janke weiß, dass es gegen das vom Pfarrkonvent und dem Bezirkskirchenrat auf den Weg gebrachten Projekt zumindest vereinzelt Widerstand gibt. Gewohntes aufzugeben, verursache Ängste, sagte er. Die Menschen im Kirchenbezirk sollen daher so gut wie möglich bei den Reformen einbezogen werden.

In den Kooperationszonen sollen nun Steuerungsgruppen und Projekt-Teams gebildet werden. Dann wird ein Fragebogen erarbeitet, anhand dessen geklärt werden soll, was zentral organisiert und was weiterhin vor Ort erledigt werden solle, sagte Janke. Er könne sich eine zentrale Gebäudebewirtschaftung vorstellen. Auch die Konfirmandenarbeit müsse nicht in jedem Ort einzeln organisiert werden und ein fester Plan könne Gottesdienste an den einzelnen Predigtstätten im 14-tägigen Wechsel vorsehen.

Bevor der Fragebogen erstellt wird, soll es im Spätjahr eine große Auftaktveranstaltung geben. "Wir brauchen eine positive Stimmung für das Projekt und müssen den Verlauf jederzeit offen und transparent kommunizieren", sagte Janke.

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