Myanmar: Menschenrechtler beklagen "Verbrechen gegen Menschlichkeit"

Myanmar: Menschenrechtler beklagen "Verbrechen gegen Menschlichkeit"

Human Rights Watch hat die Gräueltaten von Myanmars Junta seit dem Putsch vor sechs Monaten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Dazu zählten Morde, Folter, Vergewaltigungen, willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen, kritisierte die internationale Menschenrechtsorganisation am Samstag. Die Verantwortlichen müssten deswegen zur Rechenschaft gezogen werden.

Derweil halten die Proteste gegen das Militärregime an. Zuvor seien bereits Millionen Menschen gegen den Staatsstreich vom 1. Februar auf die Straßen gegangen, so Human Rights Watch weiter. Das Militär habe mit systematischer und exzessiver Gewalt reagiert. Polizisten und Soldaten hätten über 900 Menschen getötet, darunter 75 Kinder. Mehr als 100 Personen seien verschleppt und unzählige weitere in der Haft gefoltert und vergewaltigt worden.

Die lokale Gefangenen-Hilfsorganisation AAPP spricht darüber hinaus von fast 7.000 Festgenommenen, die meisten säßen noch hinter Gittern. Fast 2.000 weitere Personen stünden auf der Fahndungsliste der Junta. Schon in der Vergangenheit habe das Militär systematische Verbrechen begangen, darunter an der muslimischen Volksgruppe der Rohingya, kritisierte Human Rights Watch weiter.

Die UN werfen Myanmars Armee Völkermord vor. Auch Angehörige ethnischer Minderheiten wie unter anderem der Kachin, Shan und Karen sind den Angaben zufolge gezielter Gewalt ausgesetzt, die sich in den vergangenen sechs Monaten erneut verschärft hat. Im April hatten Gegnerinnen und Gegner des Putsches die Bildung einer "Regierung der Nationalen Einheit" (NUG) proklamiert. Zudem gibt es landesweit zahlreiche Gruppierungen, die als "Volksverteidigungskräfte" gegen das Militärregime kämpfen. Die Junta hat die NUG und deren Verbündete zu "Terroristen" erklärt.

Die Vereinten Nationen sowie die Regierungen unter anderem der EU, der USA und des Verbandes südostasiatischer Staaten (Asean) müssten auf die anhaltenden Verbrechen reagieren, indem sie die internationalen Sanktionen gegen das Militär unter Machthaber Min Aung Hlaing ergänzten, verstärkten und koordinierten, erklärte Human Rights Watch. Unter anderem fordert die Menschenrechtsorganisation ein globales Waffenembargo gegen Myanmars Generäle. Zudem müssten die Einnahmequellen der Junta aus Rohstoff-Industrien beschränkt werden.