Entwicklungsberater Riachi fordert Sanktionen gegen Libanons Führung

Entwicklungsberater Riachi fordert Sanktionen gegen Libanons Führung
Angesichts der Wirtschaftskrise im Libanon fordern Hilfsorganisationen mehr Unterstützung für die Bevölkerung. Der Entwicklungsberater Fadi Riachi hingegen plädiert für Sanktionen gegen die Elite - auch wenn das die Not erstmal vergrößern würde.

Ein Jahr nach der verheerenden Explosion am Hafen von Beirut ist die Lage im Libanon nach Worten des Entwicklungsberaters Fadi Riachi hoffnungslos. Das Land werde von der politischen Klasse "geplündert" und die Menschen hätten die Hoffnung verloren, sagte der Leiter des Beratungsunternehmens Bridges-Josour für lokale Entwicklung in einem Beitrag für epd video. Deshalb müsse die internationale Staatengemeinschaft einschreiten und harte Sanktionen gegen die korrupte Führung des Landes verhängen in der Art, wie sie einst gegen den Apartheidstaat Südafrika vorgegangen ist.

Die Explosion auf dem Hafengelände von Beirut vor einem Jahr hat den Libanon endgültig ins Elend gestürzt. Nach Angaben der Weltbank leben mehr als die Hälfte der rund fünf Millionen Menschen in dem Land in Armut. Libanesinnen und Libanesen, deren Gehälter in der Landeswährung (Libanesisches Pfund) ausgezahlt werden, leiden unter einer rasanten Geldentwertung. So gaben Ende 2020 den Angaben nach etwa 41 Prozent der Haushalte an, Probleme zu haben, an Essen zu kommen.

Bei Weizen lag laut Welternährungsprogramm der Durchschnittspreis zwischen März und Mai 2021 etwa 50 Prozent höher als in den drei Monaten davor. Auch Wasser in Flaschen wird immer teurer, sauberes Leitungswasser ist rar. Regelmäßig fällt der Strom aus, weil der Nachschub an Treibstoff nicht gesichert ist, ebenso wenig die Wartung der Kraftwerke.

Riachi, der seit mehr als 30 Jahren Staaten und Organisationen wie die Weltbank bei Projekten in der arabischen Welt berät, räumte ein, dass bei Sanktionen die Bevölkerung zunächst mehr leiden werde. Aber die Menschen seien dazu bereit, wenn damit das Ende der politischen Klasse eingeläutet werde, die alles für den Machterhalt tue. Er äußerte sich zuversichtlich, dass, sobald der politische Stillstand beendet würde, das Land wieder wirtschaftlich aufsteigt.

Derweil forderte die Hilfsorganisation Care mehr Unterstützung für die notleidenden Menschen im Libanon. "Wir fordern internationale Geber dringend dazu auf, das libanesische Volk mit ausreichend finanziellen Mitteln zu unterstützen", sagte der Libanon-Direktor der Organisation, Bujar Hoxha, mit Blick auf eine internationale Geberkonferenz am 4. August.

Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rief zur Unterstützung der Menschen im Libanon und der bis zu 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge in dem Land auf. "Es ist kaum erträglich, welche Not die Menschen dieses so kleinen Landes ertragen müssen", sagte Meister am Freitag in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Am 4. August 2020 war es auf dem Hafengelände von Beirut zu einer massiven Detonation gekommen, die das Zentrum der Stadt verwüstet und Gebäude noch Kilometer weiter beschädigt hat. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben. Grund für die Explosion waren 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat, die jahrelang offenbar mit dem Wissen von Regierungsmitgliedern ungesichert im Hafen gelagert waren. Niemand wurde bislang zur Verantwortung gezogen.