Katholische Kirche analysiert Wahlprogramme der Parteien

Katholische Kirche analysiert Wahlprogramme der Parteien
In gut acht Wochen ist Bundestagswahl. Die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle hat deshalb die Wahlprogramme der Parteien unter die Lupe genommen und diese mit Blick auf das christliche Menschenbild eingeordnet.

Die Katholische Erwachsenenbildung hat Christen aufgefordert, bei der Bundestagswahl Parteien zu wählen, die sich für eine offene und plurale Gesellschaft einsetzen. Die Wahlprogramme sollten daraufhin abgeklopft werden, erklärte der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung Sachsen, Sebastian Kieslich, am Mittwoch in Dresden bei der Vorstellung einer Studie der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) zum christlichen Menschenbild in den Wahlprogrammen.

Das Ausgrenzen von Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Weltanschauung sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar. "Hinter dem christlichen Menschenbild stehen die Sozialprinzipien der Personalität, des Gemeinwohls, der Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit", betonte Kieslich. Die KSZ ist eine Arbeitsstelle der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Im Bekenntnis zum christlichen Menschenbild herrsche in den Wahlprogrammen der meisten Parteien Übereinstimmung, sagte KSZ-Direktor Peter Schallenberg, zugeschaltet per Videokonferenz aus Lourdes (Frankreich). Einschränkungen gebe es bei der Linkspartei, besonders aber bei der AfD. Die starke Betonung von Nation und Volk bei der AfD sei der katholischen Soziallehre fremd, so Schallenberg.

Die vier Parteien CDU, SPD, Grüne und FDP würden sich zur sozialen Marktwirtschaft bekennen, so Schallenberg weiter. "Die Linkspartei mit Zögern. Die AfD mit starken Einsprengseln von Unkenntnis." Im Hinblick auf Ehe, Familie und Lebensschutz scheine die AfD vordergründig den klassischen katholischen Auffassungen zu entsprechen. "Ich fürchte aber, dass das ein im Schaufenster der Werbung um Wählerstimmen geschickt ausgelegter Köder ist, der nicht das hält, was er zu versprechen scheint." Die Nähe zur katholischen Soziallehre sei bei den Unionsparteien größer als bei den anderen Parteien.

Die Studie sei eine Botschaft aus Sachsen für die gesamte Bundesrepublik, sagte Thomas Arnold, Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Menschen sollten befähigt werden, sich mit politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen, sich ein Urteil zu bilden und eine reflektierte Wahlentscheidung zu treffen.