Petra Bahr will um Nicht-Geimpfte werben

Petra Bahr

© epd-bild/Jens Schulze

Bischöfin Petra Bahr hält nichts von Beschränkungen für Nicht-Geimpfte.

Coronavirus
Petra Bahr will um Nicht-Geimpfte werben
Regionalbischöfin Petra Bahr hält nichts von dem Vorschlag, angesichts steigender Corona-Zahlen ungeimpften Menschen weniger Freiheiten einzuräumen als Geimpften.

"Ich glaube, dass Drohungen im Moment überhaupt nicht helfen, weil die Gruppe der Nicht-Geimpften ein ziemlich kompliziertes Gebilde ist", sagte die Theologin aus Hannover dem NDR. Dazu gehörten Kinder und Jugendliche, Kranke, Zögernde sowie überzeugte Impfgegner.

"Das sind sehr unterschiedliche Gruppen, die man unterschiedlich ansprechen muss", sagte Bahr, die auch dem Deutschen Ethikrat angehört. So hätten die unter 30-Jährigen monatelang gehört, sie sollten sich hinten anstellen. Jetzt hörten sie auf einmal, sie sollten sich so schnell wie möglich impfen lassen. "Bis man das verstanden hat, braucht es einige Zeit", sagte die Theologin. "Deswegen bin ich eher dafür, um diejenigen zu werben, die sich noch nicht impfen lassen wollten."

Dabei müsse das Thema Solidarität zur Sprache gebracht werden, betonte Bahr. Die Pandemie lasse sich nicht durch Einzelne bekämpfen, sondern nur "durch einen möglichst hohen Gemeinschaftsschutz". Das stoße sich momentan mit dem Grundsatz der individuellen Selbstbestimmung.

Neuer Lockdown droht

Zwar sei in der Verfassung die Freiheit des Einzelnen geschützt. Doch momentan könne es wegen einer Minderheit zu einem neuen Lockdown kommen, der alle betreffe und etwa dazu führen könne, dass Kinder erneut nicht zur Schule gehen könnten. "Das wäre den Geimpften aus gutem Grund nicht zu erklären." Es gebe eine moralische Pflicht, zu überlegen, auf wessen Kosten der Einzelne seine Freiheiten auslebe, hob die Regionalbischöfin hervor.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte am Wochenende gesagt, dass in der vierten Welle der Corona-Pandemie die lediglich negativ auf das Virus Getesteten möglicherweise weniger Freiheiten bekommen könnten als Geimpfte. Derzeit sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts rund 61 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft.

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