Kirchen und Gemeindehäuser unter Wasser

überschwemmte Kirche in Opladen

© Dr. Anika Distelrath-Lübeck /Ev. Kirchengemeinde Opladen

Land unter - das Wasser machte vor der Kirche in Opladen nicht Halt.

Hochwasser
Kirchen und Gemeindehäuser unter Wasser
Von den Unwettern der vergangenen Tagen sind auch die Kirchengemeinden in Nordrhein-Westfalen betroffen. Viele Gebäude sind durch das Hochwasser beschädigt, zudem leisten die Kirchen Hilfe bei der Bewältigung der Krise.

Die heftigen Unwetter und Überschwemmungen setzen auch den Kirchengemeinden in Nordrhein-Westfalen zu. Die Bistümer, Landeskirchen und Gemeinden in NRW melden überschwemmte Kirchen, vollgelaufene Keller und geflutete Gemeindehäuser. Auch am Freitag dauerten die Einsätze teilweise an, das ganze Ausmaß der Schäden war noch nicht abzusehen. An vielen Orten waren Notfallseelsorger der Kirchen im Einsatz, Gemeinden boten Hilfe in der Notlage an.

"Uns hat es ordentlich erwischt", sagt die Baukirchmeisterin der Kirchengemeinde Opladen, Anika Distelrath-Lübeck, in Leverkusen. So stehe die Kirche am Bielert bis zu den Altarstufen mit Wasser und Schlamm voll. Sie habe am Donnerstagmorgen vor Ort "bis über den Bauchnabel im Wasser" gestanden", berichtet sie. Betroffen seien auch das Gemeindehaus nebenan, wo der Keller unter Wasser steht. "Unser Kindergarten ist ebenfalls vollgelaufen, genauso wie das Verwaltungsgebäude." Der Kindergarten sei am Abend des 14. Juli mit Einsetzen des Regens evakuiert worden.

Auch in Bonn setzte der Dauerregen den Gemeinden zu. "In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist während des Unwetters die Evangelische Jugendbildungsstätte Merzbach unseres Kirchenkreises in Mitleidenschaft gezogen worden", berichtet Rainer Steinbrecher vom Kinder- und Jugendreferat des Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel. Vom angrenzendem Hang sei das Wasser rasend schnell über den Innenhof und dann in den Keller des Haupthauses gelaufen. "Mit Bierzeltbänken und Tischen wurde versucht, das Wasser vom Kellerschacht wegzuleiten, um zu erreichen, dass der Wasserpegel im Keller nicht mehr steigt und somit das Erdgeschoss nicht auch noch in Mitleidenschaft gezogen wird", schildert er.

Auch die Gemeinden in der Kölner Region sind betroffen. "In der Kirchengemeinde Köln-Bickendorf war Wasser im Keller", berichtet Sammy Wintersohl, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region. Ebenfalls im Kirchenkreis Köln-Nord war das Wasser laut Wintersohl in Pulheim in den Keller des Jugendhauses eingedrungen. Auch einige Kitas, die von evangelischen Trägern betrieben werden, wurden überflutet.

Gemeinden öffnen ihre Häuser

"Dramatisch" stellt sich nach Angaben von Wintersohl dagegen die Situation in Erftstadt in Rhein-Erft-Kreis dar. Besonders betroffen ist der Stadtteil Blessem, in dem mehrere Häuser von Wasser unterspült wurden und einstürzten. Dabei starben offenbar mehrere Menschen. Einige Kirchengemeinden im südlichen Kreisgebiet haben ihre Gemeindehäuser geöffnet und bieten Hilfe an. "Mit unseren Gedanken und Gebeten sind wir bei den Menschen in Köln und der Region, die durch das gestrige Unwetter ihr Hab und Gut und sogar ihr Leben verloren haben", sagt der stellvertretende Stadtsuperintendent Markus Zimmermann.

Schlamm und Wasser stehen in Opladen bis zu den Altarstufen.

Von dem Hochwasser bleiben auch die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Lennep in Remscheid nicht verschont. So wurden die Kirche Unterburg im Solinger Stadtteil Unterburg und der angrenzende historische Friedhof von den Fluten der Wupper in Mitleidenschaft gezogen. Das Kirchengebäude am Ufer der Wupper aus Bruchstein im bergischen Barockstil war von den Wassermassen schnell umschlossen. Auch der benachbarte historische Friedhof aus dem Jahr 1744 wurde von den braunen Fluten bedeckt.

Friedhof und Park überflutet

Schäden an kirchlichen Gebäuden gibt es auch im Erzbistum Köln. So stand etwa die Markuskapelle, das älteste Gebäude in Altenberg, zwischenzeitlich bis zu einer Höhe von 1,40 Metern unter Wasser. Schäden meldet ebenfalls das Bistum Aachen: So gab es in Aachen unter anderem einen Wassereinbruch in der Kirche St. Kornelius sowie der katholischen Grundschule Abteigarten. Zudem musste unter anderem das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler evakuiert werden.

Auch in Westfalen kam es zu Zerstörungen durch das Unwetter. Schwer beschädigt wurde die Auferstehungskirche im Stadtteil Hagen-Dahl. Dort stieg das Wasser im Innenraum auf etwa 120 Zentimeter. "Durch den starken Wasserdruck sind alle Türen verzogen und nicht mehr zu schließen", berichtet die Gemeinde. "Die Kanzel hat es aus der Verankerung gerissen. Es ist nichts mehr an seinem Platz und die Wände sind stark durchnässt", hieß es. Inwieweit die Fresken in der Katharinenkapelle durch das Wasser geschädigt wurden, sei noch nicht abzusehen.

Aus Sicherheitsgründen wurde überdies der überflutete Park der Bildungs- und Begegnungsstätte Haus Villigst in Schwerte (Kreis Unna) gesperrt. Die Ruhr war nach Unwettern mit Starkregen in weiten Bereichen über die Ufer getreten, hat das historische Gebäude aber nicht erreicht. "Ich bin jetzt seit acht Jahren hier. So etwas habe ich nicht annähernd erlebt. Wir sind trotzdem bisher noch glimpflich davongekommen", sagt die Geschäftsführerin der Tagungsstätte Haus Villigst, Anja Werth.

Mehr zu Hochwasser, menschengemachter Klimawandel
Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sollte ihr Engagement für den Klimaschutz nach Meinung ihrer Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich verstärken.
Heinrich Bedford-Strohm sorgt sich um die hungerstreikenden Klima-Aktivisten.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat seine große Sorge um die hungerstreikende Klimaaktivisten in Berlin zum Ausdruck gebracht.