Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ohne Tarif deutlich höher

Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ohne Tarif deutlich höher

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen fällt einem Bericht zufolge bei Bezahlung nach Tarif deutlich geringer aus als in Betrieben ohne Tarifbindung. Zudem habe sich die Gehaltsdifferenz von Männern und Frauen mit Tariflohn in den vergangenen zehn Jahren verringert, während die Ungleichbezahlung ohne Tarif in dieser Zeit gewachsen sei, berichtete das "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Sonntag). Die Zeitungen beriefen sich auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Laut dem Bericht verdienten Männer in tarifgebundenen Betrieben im vergangenen Jahr durchschnittlich 4.388 Euro und Frauen 3.920 Euro im Monat. Das entspreche einem geschlechtsspezifischen Lohngefälle von monatlich 468 Euro. Vor zehn Jahren habe die Differenz noch bei 585 Euro im Monat gelegen.

In Betrieben ohne Tarifvertrag seien die Gehälter niedriger und die Lohnlücke größer: Dort verdienten Männer im Schnitt 3.809 Euro und Frauen 3.080 Euro im Monat. Damit betrage die geschlechtsspezifische Lohnlücke 729 Euro. Vor zehn Jahren seien es noch 689 Euro gewesen, hieß es.

Der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Pascal Meiser, sprach von einem "alarmierenden Signal": "Die Zahlen zeigen, dass Tarifverträge nicht nur für die allgemeine Entwicklung der Löhne von großer Bedeutung sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von mehr Geschlechtergerechtigkeit leisten." Umgekehrt sei zu wenig bekannt, dass der anhaltende Rückgang der Tarifbindung das Vorhaben erschwere, die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen. Meiser warf der Bundesregierung vor, sie habe es in den vergangenen Jahren "sträflich versäumt" für eine Stärkung der Tarifbindung zu sorgen.

Die Zeitungen berichteten unter Berufung auf Zahlen des bundeseigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Anteil der Beschäftigten mit Tarifvertrag sei seit 2010 um sieben Prozentpunkte auf inzwischen 51 Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr seien nur noch etwas mehr als ein Viertel der deutschen Betriebe an einen Tarif gebunden gewesen.