"Ich habe großen Respekt vor den Schaustellern"

Schaustellerseelsorger Torsten Heinrich

© epd-bild/Ebba Hagenberg-Miliu

Pfarrer Torsten Heinrich ist Leiter der Evangelischen Circus- und Schaustellerseelsorge (Archivbild).

"Ich habe großen Respekt vor den Schaustellern"
Schaustellerseelsorger Torsten Heinrich über die neue Hoffnung auf den Rummelplätzen
Mit sinkenden Corona-Zahlen beginnen auch wieder die ersten Jahrmärkte. Die Schausteller gehen nach Ansicht des Leiters der Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland, Torsten Heinrich, mit Elan an den Neustart. Während der Corona-Pandemie seien ihre Nöte kaum gesehen worden.

Herr Heinrich, wie geht es den Schaustellern?

Torsten Heinrich: Ich staune gerade über ihre Stehauf-Mentalität. Und ich habe großen Respekt, auch für den Kampf darum, dass sie von Politik und Gesellschaft nicht vergessen werden. Sie mussten mehr als ein Jahr zu Hause bleiben und auf das Leben verzichten, das sie sonst prägt, darauf, unterwegs zu sein, die Freunde zu sehen und die Kunden. Ich habe den Eindruck, sie gehen es jetzt mit Elan an, dass wieder Veranstaltungen möglich sind.

Mit welchen Anliegen haben sich Menschen bei Ihnen gemeldet?

Heinrich: Die wenigsten melden sich, um nur mal zu reden. Meist haben sie sehr konkrete Anliegen. Einige Klein- und Kleinstbetriebe sind gar nicht an die Überbrückungsgelder des Bundes herangekommen. Die haben keine Steuerberater oder andere, die das für sie lösen. Wir in der Schaustellerseelsorge haben uns auf Notlagen eingestellt und dafür einen kleinen Fonds eingerichtet, unter anderem aus Kollekten. Der hat uns jetzt sehr geholfen. Es kamen Anfragen, weil es für das Essen oder Gas im Wohnwagen nicht bis zum Ende des Monats reichte, oder im Zirkus für das Futter der Tiere. Da haben wir mit Kleinstbeträgen zwischen 150 und allerhöchstens 500 Euro geholfen und so insgesamt 70.000 Euro unter die Leute gebracht.

Wissen Sie von Betrieben, die aufgeben müssen?

Heinrich: Nein. Ich nehme an, dass dies kaum passiert. Dafür ist der Beruf zu sehr in die Lebens-DNA derjenigen geschrieben, die das oft seit Generationen machen. Da wursteln sie sich durch. Viele haben aber sicher ihre Vorsorge fürs Alter aufgebraucht. Sie fangen jetzt auf einem ganz anderen Level neu an. Aber nicht mehr auf Reisen zu gehen, ist für sie unvorstellbar. Es ist nicht nur ein Beruf, es ist ihr Leben.

Der "Hanno Park" zum Beispiel, der jetzt in Hannover beginnt, ist zwar ein mobiler Freizeitpark, aber weiterhin mit geltenden Einschränkungen. Ein Volksfest ist noch etwas anderes, ein Volksfest ist, wenn es brummt. Aber es ist ein guter Anfang. Ich werde jedenfalls zur Eröffnung am 25. Juni in Hannover sein. Ich hoffe, dass die Schausteller aus dem Windschatten der öffentlichen Wahrnehmung herauskommen, wenn das Leben wieder mehr Fahrt aufnimmt.

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