Pfarrer erhält Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs

Evangelischer Pfarrer erhält Strafbefehl wegen Missbrauch

© Fabio Balbi - stock.adobe.com

Ein Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs ist gegen einen evangelischen Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk im bayerischen Weiden ergangen. Ein kirchliches Disziplinarverfahren steht noch aus.

Pfarrer erhält Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs
Gegen einen wegen sexuellen Missbrauchs angeklagten evangelischen Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk im bayerischen Weiden ist Strafbefehl erlassen worden. Er soll sich im Sommer 2019 an einer jungen Frau vergangen haben.

Der Verurteilte erhält demnach eine Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung, sagte Amtsrichter Peter Neuner. Der Strafbefehl sei noch nicht rechtskräftig. Der Pfarrer könne diesen annehmen oder Einspruch einlegen. Sollte er den Strafbefehl nicht akzeptieren oder sein Geständnis widerrufen, komme es doch noch zu einer öffentlichen Hauptverhandlung, so der Tirschenreuther Richter.

Die Anklage lautete auf sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungsverhältnisses. Dem Pfarrer wird zur Last gelegt, die Situation gegenüber einer volljährigen jungen Frau ausgenutzt zu haben. Dabei sei es laut Staatsanwaltschaft zu "einvernehmlichen sexuellen Handlungen" an verschiedenen Orten im Frühsommer 2019 gekommen. Ein erstes Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil kein ausreichender Tatverdacht bestand. Erst 2020 wurde das Verfahren wieder aufgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte angeboten, das Verfahren in einen Strafbefehl umzuwandeln. Dem hatte der Beschuldigte bislang über seinen Anwalt zugestimmt.

Der Pfarrer war bereits am 22. Dezember 2020 nach Bekanntwerden der Anklage durch die Disziplinarkammer der Landeskirche des Dienstes enthoben worden. Unabhängig vom staatlichen Verfahren steht laut Dekan Thomas Guba, dem Dienstvorgesetzten des Pfarrers, noch ein kirchliches Disziplinarverfahren aus. Die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft fänden im kirchlichen Verfahren Eingang.

Mehr zu sexueller Missbrauch
Junges Mädchen an eine Wand gelehnt, mit den Händen vor dem Gesicht
Die Sozialpädagogin Claudia Chodzinski steht Menschen nach sexuellem Missbrauch zur Seite. Besonders in der Auseinandersetzung mit Institutionen sei der Blick von außen wichtig, sagt sie.
Pressekonferenz der Evangelischen-lutherischen Landeskirche Hannover und dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde Georgsmarienhuette am Montag (11.10.2021) im Ortsteil Oesede zum Missbrauchsfall Lisa Meyer (Pseudonym)
Lisa Meyer wurde als Kind von einem angehenden Diakon schwer missbraucht. Jahrzehnte später bemüht sie sich um Aufarbeitung. Zu lange seien der Täter und die Kirche geschützt worden. Sie will handeln - auch für andere.