Moraltheologe fordert neue katholische Beziehungsethik

Moraltheologe fordert neue katholische Beziehungsethik

Der katholische Moraltheologe Elmar Kos hat von seiner Kirche eine neue Beziehungsethik gefordert, die die traditionelle Sexualmoral ablösen sollte. Die Kirche sollte den Menschen nicht länger Verbote und Gesetze auferlegen, sondern ihnen Ratschläge und Orientierung anbieten, sagte Kos am Mittwoch während eines Online-Fachtages zum Thema "Über Sex muss man reden" des Bistums Osnabrück. Die Beziehungsethik müsse die Sexualität als Wert an sich anerkennen. Sie sollte zudem anerkennen, dass es auch "kreative" Formen der Sexualität, also Homosexualität und queere Lebensformen geben könne.

Die geltende Sexualmoral gehe zurück auf eine angenommene Naturordnung, wonach Liebe und Sexualität ausschließlich zwischen Mann und Frau möglich und mit der Fortpflanzung untrennbar verknüpft sei, erläuterte Kos, der an den Universitäten Osnabrück und Vechta lehrt. Damit werde sie der Lebensrealität der Menschen nicht mehr gerecht. Eine neue Beziehungsethik sollte zwar weiterhin an der heterosexuellen und auf Treue angelegten Beziehung als Ideal festhalten. Eine solche sei "der optimale Entfaltungsbereich für menschliche Sexualität - aber nicht der einzige".

Die Kirche sollte vermitteln, dass ihr die Verbindung von Liebe und Sexualität wichtig ist, forderte der Professor. Darüber hinaus müsse sie aber den Menschen in Fragen der Sexualität die Entscheidung überlassen, wie sie leben wollten. Die Frage, wie die katholische Kirche mit gleichgeschlechtlich Liebenden umgehe, sei nicht ein Thema für Randgruppen. Daran entscheide sich, "ob die katholische Kirche wirklich ernst genommen wird als eine Instanz, die bei den Menschen ist".

Der Sexualforscher Klaus Beier zeigte auf, dass sexuelle Präferenzen sich bereits in der Pubertät entwickelten, und zwar unwillentlich: "Das ist Schicksal, nicht Wahl." Besonderheiten in den Präferenzen gehörten zur menschlichen Sexualität. Er plädierte dafür, etwa auch pädophile Menschen nicht zu stigmatisieren oder auszugrenzen, sondern ihnen Hilfen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dieser Vorliebe an die Hand zu geben.