Dabrock sieht Vertrauen in die Politik beschädigt

Peter Dabrock, evangelischer Theologe und Professor für Systematische Theologie

© epd-bild/Peter Roggenthin

Der Theologe Peter Dabrock kritisiert gavierende Fehler der Regierenden im Umgang mit der Pandemie.

Dabrock sieht Vertrauen in die Politik beschädigt
Aus Sicht des evangelischen Theologen Peter Dabrock hat der Umgang der Regierenden mit der Pandemie das Vertrauen der Bürger in die Politik erheblich beschädigt. Um eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, regt er "eine Art Wahrheitskommission" zur Aufarbeitung der gemachten Fehler an.

"Fast drei Viertel der Todesopfer fallen in die dritte Welle, in der die Politik schwere Fehler gemacht hat und in der die Pandemie-Bekämpfung weitaus effektiver hätte ausfallen können", sagte Peter Dabrock, der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, in einem am 16. Juni vorab veröffentlichten Interview den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse aus Osnabrück.

Die Politik habe etwa nicht auf Wissenschaftler gehört, die einen konsequenten Lockdown forderten, kritisierte Dabrock. Schwer verzeihlich sei es auch, dass die Regierenden in Bund und Ländern Kinder und Familien links liegen gelassen hätten. Ein Indiz dafür sei, dass es noch immer in kaum einer Schule Luftfilter gebe.

Die Politik müsse sich den Fehlern stellen, um Vertrauen zurückzugewinnen. "Wir können nicht einfach so weitermachen. Das würde die Gesellschaft zur Spaltung bringen", mahnte der Theologe. Ein Untersuchungsausschuss oder eine Enquete-Kommission sei hierfür jedoch zu wenig. "Wir brauchen eine Art Wahrheits- und Versöhnungskommission", forderte Dabrock.

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