Woelki hält trotz vorheriger Proteste Firmung in Düsseldorf ab

Kardinal Rainer Maria Woelki firmt Jugendliche

© Rolf Vennenbernd/dpa

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, kommt zur Basilika St. Margareta, wo er trotz Protesten 17 Jugendliche in der Düsseldorfer Gemeinde firmen wird.

Woelki hält trotz vorheriger Proteste Firmung in Düsseldorf ab
Trotz vorheriger Proteste wegen seines Verhaltens im Missbrauchsskandal hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am Mittwochabend 17 Jugendliche in Düsseldorf gefirmt. Vor der Kirche Sankt Margareta blieb es ruhig, nachdem die Kritiker, unter ihnen Mitglieder der Reformbewegung „Maria 2.0“, zugesichert hatten, mit Rücksicht auf die Familien dort nicht zu protestieren.

Obwohl Woelki die Kirche im Stadtteil Gerresheim durch einen Hintereingang betrat und nicht wie üblich durch das Mittelschiff einzog, handle es sich um eine "ganz normale Firmung", sagte der Sprecher des Erzbistums, Oliver Schillings. Die Verfasser eines Protestbriefs hätten nicht die Rückendeckung der Gemeinde. Die Firmlinge und ihre Familien hätten sich für die Zeremonie durch Woelki ausgesprochen, sagte Schillings.

Rund 140 Gemeindemitglieder hatten in einem Offenen Brief an Woelki von einem Vertrauensverlust gesprochen und ihn gebeten, die Firmfeier in der Gemeinde nicht zu leiten. Bei einem nicht-öffentlichen Krisengespräch in der Gemeinde im Anschluss hatten mehr als 60 Katholiken dem Erzbischof symbolisch die Rote Karte gezeigt.

Trotz vorheriger Proteste wegen seines Verhaltens im Missbrauchsskandal hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am 09.06.2021 17 Jugendliche in Düsseldorf gefirmt. Vor der Kirche Sankt Margareta blieb es ruhig.

Ein Anlass der Kritik ist das Bekanntwerden von sexuellen Übergriffen zweier Priester, die früher in der Gemeinde tätig waren. In beiden Fällen wird dem Kardinal vorgeworfen, Fehler gemacht zu haben. Bei vielen Gemeindemitgliedern würden Erinnerungen an Übergriffe und Grenzverletzungen wach, hieß es in dem Offenen Brief. Eine juristische Aufarbeitung dessen reiche nicht aus. Die Gemeinde forderte: "Wir brauchen auch eine systemische, moralische und theologische Aufarbeitung." Woelki war in der Gemeinde als Praktikant und später auch als Diakon tätig.

Im Erzbistum Köln findet seit dieser Woche eine vom Papst veranlasste Visitation statt. Dabei sollen sich die Bischöfe von Stockholm und Rotterdam, Anders Arborelius und Johannes van den Hende, ein Bild von der Situation im Erzbistum machen und mögliche Fehler im Umgang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen der Bistumsleitung untersuchen.

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Die Kritik an der Aufarbeitung von sexueller Gewalt in der Kirche reißt nicht ab. Im Fokus der Diskussion stehen weiter das Erzbistum Köln und der Streit um das unveröffentlichte Missbrauchsgutachten.