Bischof entschuldigt sich für sexuelle Gewalt in der Kirche

Bischof Ralf Meister

© epd-bild/Jens Schulze

Ralf Meister entschuldigt sich bei den Kindern und Jugendlichen, denen von kirchlichen Mitarbeitern sexuelle Gewalt angetan wurde.

Bischof entschuldigt sich für sexuelle Gewalt in der Kirche
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat sich bei den Kindern und Jugendlichen entschuldigt, denen kirchliche Mitarbeiter sexuelle Gewalt angetan haben.

"Ich übernehme als leitender Geistlicher die Verantwortung für das Unrecht, das Sie, die Sie Ihr Leid öffentlich gemacht haben, und unzählige andere Kinder und Jugendliche in der Vergangenheit durch Mitarbeitende dieser Kirche erlitten haben", sagte er am Donnerstag vor der digital tagenden evangelischen Landessynode in Hannover.

"Und ich bitte um Entschuldigung für die Verletzungen, die wir Ihnen als Institution Kirche zugefügt haben. Unsere Kirche hat hier große Fehler gemacht", sagte Meister. Die Landeskirche habe Schuld auf sich geladen. "Die tiefe, lebenslange Verwundung, die durch Menschen aus der Kirche anderen zugefügt worden ist, kann nicht wieder gut gemacht werden. Diese Verwundungen lehren uns, unsere Geschichte neu anzuschauen, sie neu zu schreiben und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen."

Zuvor hatte der Ausschuss für kirchliche Mitarbeit vor dem Kirchenparlament über die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland berichtet.

Rund 120 Missbrauchsfälle bekannt 

Der Landesbischof sagte, zum größten Teil lägen die Ereignisse lange zurück. Täter und Täterinnen seien verstorben oder nicht mehr im Dienst. Dass die Taten überhaupt bekannt wurden, gehe vor allem auf die Initiative Betroffener zurück. Er erinnerte daran, dass die Landeskirche gemeinsam mit dem Diakonischen Werk sich 2009 öffentlich zu Missbrauchsfällen in diakonischen Einrichtungen erklärt habe. Mit einer Ansprechstelle für Betroffene und der Einrichtung einer Unabhängigen Kommission seien seitdem Strukturen geschaffen worden, um weiter zu helfen.

In der hannoverschen Landeskirche sind nach Angaben von Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch seit 1945 rund 120 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen bekannt. Die meisten ereigneten sich in der Nachkriegszeit in Erziehungsheimen der Diakonie. Doch auch Pastoren, Diakone, Erzieher und Musiker aus Kirchengemeinden gehörten zu den Tätern.

Zuletzt hatte eine frühere Konfirmandin vor fast einem Jahr den Missbrauch durch einen Pastor im Kirchenkreis Hittfeld in den 1980er und 90er Jahren bekannt gemacht und damit die noch laufende Aufarbeitung angestoßen. In dem Fall des mittlerweile verstorbenen Pastors hätten sich inzwischen weitere Betroffene gemeldet, sagte Mainusch.

Mehr zu Missbrauch, sexueller Missbrauch
Kind betet
Der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht die Ursache für zurückgehende Mitgliederzahlen der großen Kirchen unter anderem in einem Traditionsabbruch sowie im Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche.
Präses Thorsten Latzel  100 Tage im Amt
Mehr Lebensbegleitung und weniger Behörde: Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, sieht die Kirche in einem Veränderungsprozess. Dabei erlebe er eine große Bereitschaft zum Aufbruch, so der Theologe, der am Montag (28.6.) 100 Tage im Amt ist.