Petra Bahr: Menschen alleine sterben zu lassen war "größte Schuld"

Petra Bahr

©epd-bild/Jens Schulze

Die hannoversche Regionalbischöfin Petra Bahr hat Fehler der Kirchen in der Corona-Krise eingeräumt. Andererseits hätten einzelne Pastorinnen und Pastoren „jenseits der Grenze des Erlaubten“ seelsorgerlich gearbeitet, um Menschen zu begleiten.

Petra Bahr: Menschen alleine sterben zu lassen war "größte Schuld"
Die hannoversche Regionalbischöfin Petra Bahr hat Fehler der Kirchen in der Corona-Krise eingeräumt. Für sie sei es die größte Schuld, dass die Kirche es zugelassen habe, dass Menschen teilweise alleine gestorben seien, sagte Bahr am Mittwoch in der SWR 2-Sendung "Forum".

Andererseits hätten einzelne Pastorinnen und Pastoren "jenseits der Grenze des Erlaubten" seelsorgerlich gearbeitet, um Menschen zu begleiten. Eine Pastorin habe sich für mehrere Wochen in eine Pflegeeinrichtung einschließen lassen, um bei den Bewohnern zu sein, berichtete Bahr, die auch dem Deutschen Ethikrat angehört.

Als "abgründige Häresie" bezeichnete die Theologin die Aussage, Corona sei eine Strafe Gottes für ein liberales Verhalten von Kirche und Gesellschaft. Gegen diese Ansicht, die vom "rechten Rand" in evangelischer und katholischer Kirche geäußert worden sei, hätten sich Kirchenleitungen lauter äußern müssen. Doch habe man sich mit den Gruppierungen, von denen die Aussage stammte, nicht anlegen wollen, bedauerte Bahr.

Der katholische Kirchenhistoriker und Priester Hubert Wolf nimmt trotz der Pandemie an der Basis seiner Kirche eine starke Protestbewegung wahr. So hätte man sich vor Jahren kaum vorstellen können, dass es eine Frauenbewegung wie "Maria 2.0" geben würde oder dass vor fast jeder katholischen Kirche eine Regenbogenfahne aufgehängt werde sowie homosexuelle Paare gesegnet werden. Unter den Päpsten Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. hätte es in dieser Situation "Suspendierungen und Exkommunikationen im Sekundentakt gehagelt", sagte Wolf.

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