Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

Betroffene bemängeln die fehlende Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche.

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Nach Kritik von Betroffenen sexueller Gewalt in der Kirche verzichtet Kardinal Reinhard Marx auf das Bundesverdienstkreuz.

Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz
Nach Kritik von Betroffenen sexueller Gewalt in der Kirche verzichtet Kardinal Reinhard Marx auf das Bundesverdienstkreuz. Bundespräsident Steinmeier reagiert mit Anerkennung auf die Entscheidung.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx lehnt die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz nach öffentlicher Kritik ab. In einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bat er darum, die für 30. April angesetzte Auszeichnung nicht vorzunehmen, wie das Erzbistum mitteilte. Zugleich habe er für die "hohe Ehre der Verleihung" gedankt, an der Steinmeier "auch in Reaktion auf die öffentliche Kritik" festgehalten habe. Hintergrund der Kritik ist die aus Sicht der Betroffenen mangelhafte Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Steinmeier reagierte mit Anerkennung auf die Entscheidung von Marx.

"Der Bundespräsident respektiert die Entscheidung von Kardinal Reinhard Marx, auf die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstorden zu verzichten", sagte eine Sprecherin. Nach ihren Angaben telefonierte Steinmeier mit Marx und bekräftigte dabei Verdienste des Kardinals unter anderem im Werben um die Aufnahme von Geflüchteten und im Dialog von Kirche und Gesellschaft. Beide seien zudem einig, dass die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche "von überragend wichtiger Bedeutung" sei und fortgesetzt werden müsse. Rücksicht auf Betroffene zu nehmen, die an der Ordensverleihung Anstoß genommen haben, verdiene Anerkennung, sagte der Bundespräsident demnach.

Kritik von Missbrauchs-Betroffenen

In seinem Schreiben betonte Marx, er sei überzeugt, dass dieser Schritt "mit Rücksicht auf diejenigen, die offensichtlich an der Auszeichnung Anstoß nehmen, und insbesondere mit Rücksicht auf die Betroffenen" richtig sei. Er erklärte, er wolle damit auch negative Interpretationen verhindern im Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteilgeworden sei. Zudem wolle er dem Amt des Bundespräsidenten keinen Schaden zufügen.

Steinmeier hatte erst vor wenigen Wochen den Betroffenenaktivisten Matthias Katsch und den Jesuitenpater Klaus Mertes, der vor mehr als zehn Jahren Missbrauchsfälle am katholischen Berliner Canisius-Kolleg öffentlich machte, mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet. Auch vor diesem Hintergrund war die geplante Vergabe des Bundesverdienstkreuzes an Marx vom Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln kritisiert worden.

Das Bundespräsidialamt hatte an der Auszeichnung festgehalten. Marx habe in seiner Zeit als Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz "in besonderer profilierter Weise für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft" gestanden, hieß es, etwa durch seinen Einsatz für die Aufnahme von Geflüchteten sowie gegen Populismus und Hetze. Für diese Verdienste sollte er, wie seine Vorgänger im Amt des Bischofskonferenz-Vorsitzenden und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden.

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