Digitale Kirchenangebote - Ergänzung ja, Ersatz nein

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In der "Zwangs-Digitalisierung" durch die Corona-Krise sehen sowohl Protestanten als auch Katholiken Chancen für die Kirchen.

Digitale Kirchenangebote - Ergänzung ja, Ersatz nein
CONTOC-Studie: Evangelische und Katholiken sehen in Corona-Krise auch Chancen fürs eigene Angebot
Die Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen stellt auch die Kirchen vor Herausforderungen: Angebote sind wegen der Hygienevorgaben nur digital möglich. Warum in dieser Entwicklung auch Chancen liegen, zeigen die ersten Ergebnisse eine Studie.

Viel Digitales, wenig Analoges, manchmal etwas Hybrides - so lässt sich das vergangene Corona-Jahr in vielen Kirchengemeinden gut zusammenfassen. Dass in der "Zwangs-Digitalisierung" aber auch Chancen für die Kirchen liegen, zeigen die ersten Ergebnisse der CONTOC-Studie ("Churches Online in Times of Corona"), die am Dienstag bei einer Tagung vorgestellt wurden - natürlich online per Videokonferenz. Federführend mit an CONTOC beteiligt ist die Würzburger Religionspädagogik-Professorin Ilona Nord: Die Studie sei "von kirchenhistorischer Bedeutung", sagte sie. Dies gelte sowohl für die internationale Beteiligung als auch den ökumenischen Ansatz.

Weltweit wurden insgesamt mehr 6.500 Pfarrer:innen und Hauptamtliche in der Seelsorge befragt, mehr als 3.900 von ihnen kamen aus Deutschland. Während in den evangelischen Kirchen fast ausschließlich Pfarrer:innen - und von denen ein Großteil aus dem Gemeindedienst - befragt wurden, ist das Bild bei den Katholiken differenzierter: Neben Priestern (29,5 Prozent) beteiligten sich auch viele Pastoralreferentinnen und -referenten sowie Gemeindereferentinnen und -referenten (jeweils mehr als 27 Prozent) an der Befragung, die nach dem ersten Lockdown zwischen Ende Mai und Mitte Juli 2020 stattgefunden hat.

Nord sagte, viele Befragte hätten rückgemeldet, dass sie in der Corona-Krise auch Chancen sehen. Durch die Einschränkung des üblichen Gemeindelebens wegen des Infektionsschutzes hätten sie die Möglichkeit erhalten, bestehende Angebote zu hinterfragen und zu verändern, erläuterte Nord eine der Querschnittsthesen der Studie. Die Professorin zitierte bei der digitalen Vorstellung der Studie einen Befragten: Die Corona-Pandemie habe Gemeinden "zumindest Zeit geschenkt, Neues auszuprobieren und zu wagen, die wir sonst nicht haben". Ein Befragter sagte auch, Corona habe der Kreativität in seiner Gemeinde "erstaunlich gutgetan".

70 Prozent sehen mehr Chancen als Risiken

Erste Ergebnisse der Studie sind auch, dass mehr als 70 Prozent der Befragten aus Deutschland in Digitalisierungsprozessen vor allem Chancen und weniger Risiken sähen. Man könne durch die digitalen Angebote auch Menschen erreichen, die - aus diversen Gründen - nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können. Die Mehrheit der Befragten sehe digitale Gottesdienstformen "als Ergänzung, Notbehelf und nicht als Ersatz". Persönliche Kontakte sind laut den Studienteilnehmern im kirchlichen Kontext weiterhin unverzichtbar. Die "Bedeutung ihrer Rolle" sahen die Befragten durch die Corona-Digitalisierung zudem nicht infrage gestellt.

An der Studie beteiligt waren Forscher von Hochschulen und Forschungsinstituten in Würzburg, Frankfurt am Main, Zürich und St. Gallen sowie vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zum internationalen Netzwerk, das an der Studie mitgewirkt hat, gehören Forscher aus Singapur, Schweden, Australien, den USA, Brasilien, Ungarn, Südafrika, Großbritannien und vielen weiteren Ländern.

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