"Wo ist Gott, was macht die Pandemie mit uns?"

Osterfest mit eingeschränkten oder virtuellen Gottesdiensten durch zweites Jahr Pandemie

©epd-bild/Matthias Rietschel

Der verlängerte Corona-Lockdown ermöglicht auch an Ostern 2021 kein normales kirchliches Leben.

"Wo ist Gott, was macht die Pandemie mit uns?"
Nach einem Jahr Corona sieht sich die pfälzische Landeskirche theologisch herausgefordert
Gemischt fällt die Bilanz der Evangelischen Kirche der Pfalz nach einem Jahr Corona aus. Unbeantwortet bleibt die Frage, wie sich das kirchliche Leben durch den Virus verändert. Die Menschen wünschten sich mehr geistlichen Halt, sagen Theologen.

Ein Jahr Corona, Deutschland ist in der "dritten Welle" mit hohen Infektionszahlen - und ein Ende der Pandemie ist nicht absehbar. Viele Protestant:innen in der pfälzischen Landeskirche sind genervt und frustriert durch das Auf und Ab mit dem Virus, berichtet der Pressesprecher Andreas Rummel. In den Presbyterien sehne man sich danach, endlich wieder gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Doch der verlängerte Corona-Lockdown wird auch an Ostern, dem wichtigsten Fest der Christenheit, kein normales kirchliches Leben ermöglichen. Wie schon vor einem Jahr droht ein eher trübes Osterfest mit eingeschränkten oder virtuellen Gottesdiensten und gestrichenen Familienfeiern.

 

"Corona ist eine echte Herausforderung für uns als Kirche", zieht Rummel eine gemischte Bilanz für das zurückliegende Corona-Jahr. Der Hygieneschutz bei Gottesdiensten oder der seelsorgerliche Besuch in Alten- und Pflegeheimen "läuft", sagt er. Doch suchten die Kirchenmitglieder dringlich nach Antworten auf die Frage "Wo ist Gott in der Pandemie, und was macht diese mit uns als Kirche?" Auf die theologische Herausforderung durch Corona reagierten die evangelischen Landeskirchen aber bisher kaum, kritisiert der Pfarrer.

Auch der Behindertenbeauftragte der Landeskirche, Pfarrer Thomas Jakubowski, sieht Luft nach oben bei der Frage, wie sich die Kirche mit Blick auf Gottesdienstliturgie und Seelsorge weiter verhält. "Warum kein Abendmahl zu Hause?", schlägt er vor. Der Protestantismus als Priestertum aller Gläubigen sei nicht an Gottesdienste in Kirchenräumen zwingend gebunden. Auch im familiären Kreis seien liturgische Feiern, und damit auch das Abendmahl, grundsätzlich möglich, sagt Jakubowski, der auch Vorsitzender der pfälzischen Pfarrvertretung ist. Corona habe vor Augen geführt, dass eine "Qualitätsoffensive" in allen kirchlichen Feldern nötig sei.

Diakonie-Pfarrer: Kräfte der Pflegenden schwinden

Die Diakonie sei im vergangenen Corona-Jahr mit ihren Hilfs- und Beratungsangeboten "immer nahe bei den Menschen gewesen", versichert der pfälzische Diakoniepfarrer Albrecht Bähr. Die Kirche müsse sich noch mehr um die Armen und Kranken kümmern, fordert Bähr, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Diakonischen Werke in Rheinland-Pfalz ist. Die Kräfte der Diakonie-Mitarbeiter, besonders in der Pflege, schwänden. "Ich sorge mich, dass sie zusammenbrechen und ausfallen", sagt der Diakoniepfarrer.

Derzeit sei es sehr schwer, junge Leute neu für die kirchliche Jugendarbeit zu gewinnen, berichtet Landesjugendpfarrer Florian Geith. Bestehende Gruppen würden durch digitale Formate zwar gut am Leben erhalten. Doch fehlten in der Arbeit der Evangelischen Jugend Pfalz die analogen Begegnungen, sagt Geith. Je länger die Pandemie dauere, desto mehr drohten junge Menschen abzurutschen in die Isolation und in persönliche Krisen.

"Schrumpfungen" in der Arbeit mit Kindern

Auch die Kirchenmusik sorgt sich besonders um ihre Jugend. Dass das Singen und das Nutzen von Blasinstrumenten in der Corona-Krise noch immer stark eingeschränkt werde, treffe die Musiker:innen empfindlich, sagt Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald. "Unsere anfänglichen Befürchtungen, dass es zu einem Flächenbrand ähnlichen Chöresterben kommen würde, scheinen sich Gott sei Dank nicht zu bestätigen", sagt er. Doch ohne "Schrumpfungen", besonders in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, werde man nicht davonkommen.

Gelitten hat auch die Arbeit mit ökumenischen Partnern in Afrika, Asien und Lateinamerika, informiert Pfarrer Florian Gärtner, der Leiter des Missionarisch-Ökumenischen Dienstes der Landeskirche. Nach anfänglich regem Austausch mit den Partnerkirchen über digitale Medien gebe es momentan "ein relativ kommunikationsarmes Abwarten", sagt er.

Pfälzer und Briten hätten an Pfingsten gezeigt, dass man auch ein virtuelles Abendmahl feiern könne, erzählt Pfarrer Martin Henninger, der den Kontakt zur United Reformed Church (URC) hält. Bei einem Zoom-Gottesdienst habe jeder Teilnehmer für sich Brot und Wein bereitgestellt. "Die Gemeinschaft wurde sichtbar durch das gemeinsame Hören der Einsetzungsworte", sagt der Pfarrer aus Frankenthal. "Und durch das gleichzeitige Teilen von Brot und Wein."

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