Papst beendet Irak-Reise

Papst beendet Irak-Reise
Franziskus: Ertrunkener Flüchtlingsjunge Alan Kurdi ist «Symbol einer Kultur des Todes»
Im Mittelpunkt der viertägigen Papstreise in den Irak standen Bemühungen um eine Befriedung der Krisenregion und der interreligiöse Dialog. Franziskus wollte zudem die wenigen verbliebenen Christen in der Region ermutigen.

Papst Franziskus hat am Montag seine viertägige Irak-Reise beendet. Auf dem Rückflug nach Rom bezeichnete er nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Online) den bei einem Flüchtlingsunglück ertrunkenen syrischen Jungen Alan Kurdi als "Symbol einer Kultur des Todes". Mit Blick auf die hohe Zahl von Flüchtlingen aus dem Irak und dem Nahen Osten beklagte das Kirchenoberhaupt eine mangelnde Anerkennung eines Rechts auf Migration. Irakern würde dieses Recht ebenso verweigert wie das Recht, nicht zu emigrieren, betonte er unter Hinweis auf die wirtschaftliche Lage des Landes.

Franziskus hatte am Vorabend in Erbil Abdullah Kurdi, den Vater des Jungen, getroffen. Das Kirchenoberhaupt hörte Vatikanangaben zufolge bei einem ausgedehnten Gespräch die schmerzhafte Geschichte des Verlusts der Familie des Mannes an und drückte tiefe Anteilnahme aus. Franziskus hatte zuvor im Stadion von Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Norden des Irak, eine Messe gefeiert.

Der Tod des drei Jahre alten Jungen kurdischer Abstammung sorgte weltweit für Aufsehen. Sein Leichnam wurde am 2. September 2015 an der türkischen Küste angeschwemmt, nachdem das Flüchtlingsboot, das ihn gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder zur griechischen Insel Kos übersetzen sollte, gekentert war. Bei dem Unglück ertranken auch seine Mutter Rehana und sein älterer Bruder Galib.

Auf dem Rückweg von seinem Besuch im Irak erklärte der Papst, die Idee für die Reise sei durch die Lektüre des Buches von Nadia Murad entstanden, einer Jesidin, die die Gräuel der Terrormilizen des sogenannten "Islamischen Staats" im Nordirak überlebte. Gleichzeitig beklagte er ein Wiedererstarken der Aktivitäten des "IS". Angesichts der Ruinen, die der "Islamische Staat" in Karakosch im Nordirak hinterließ, stelle sich die Frage nach den Waffenlieferanten, sagte das Kirchenoberhaupt. Die Kämpfer verfügten über Waffen aus Nato-Ländern in Europa, die über die USA und Saudi-Arabien in das von ihnen 2014 im Nordirak ausgerufene Kalifat gelangten.

Auf dem Rückflug von Bagdad beklagte der Papst anlässlich des Weltfrauentags, diese würden heute noch immer vielfach versklavt. "Wir müssen für die Würde der Frauen kämpfen", sagte er unter Hinweis auf Zwangsprostitution und Verstümmelungen. Frauen brächten die Geschichte voran, sie seien mutiger als Männer.

Als weitere Auslandsreise für dieses Jahr kündigte das Kirchenoberhaupt einen Besuch bei dem für September geplanten Eucharistischen Kongress in Budapest an. Überdies habe er dem Libanon eine Visite versprochen. Das Nahostland sei in "Lebensgefahr" und nehme dennoch unzählige Flüchtlinge vor allem aus Syrien auf.

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