Papst im Irak: Extremismus und Gewalt unvereinbar mit Religion

Papst im Irak: Extremismus und Gewalt unvereinbar mit Religion

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seiner Irak-Reise der höchsten schiitischen Autorität des Landes, Großayatollah Ali Al-Sistani, für die Verteidigung religiöser Minderheiten gegen Unterdrückung und Verfolgung gedankt. Al-Sistani habe angesichts der Gewalt der letzten Jahre die Heiligkeit menschlichen Lebens und die Einheit des irakischen Volks betont, sagte das katholische Kirchenoberhaupt Vatikanangaben zufolge am Samstag beim Treffen mit dem Großayatollah in Nadschaf.

Al-Sistani beklagte bei der Begegnung "Ungerechtigkeit, Armut, religiöse und ideologische Verfolgung sowie die Unterdrückung von Grundfreiheiten und den Mangel an sozialer Gerechtigkeit" in der Region. Religiöse Autoritäten sollten zur Überwindung dieser Missstände beitragen, zitierte der kurdische Nachrichtensender "Rudaw" aus einer Erklärung Al-Sistanis. Christen müssten wie alle Bewohner des Iraks "in Sicherheit und Frieden" leben können.

Bei einem anschließenden interreligiösen Treffen in Ur im Süden des Landes betonte der Papst angesichts der anhaltenden Konflikte in der Region: "Feindseligkeit, Extremismus und Gewalt sind Verrat an der Religion". Die Begegnung fand an dem Ort statt, an dem der biblischen Überlieferung zufolge Abraham, der Stammvater von Juden, Christen und Muslimen, geboren wurde.

"Vom Haus unseres Vaters Abraham aus bekräftigen wir: Gott ist barmherzig und die größte Beleidigung und Lästerung ist es, seinen Namen zu entweihen, indem man den Bruder oder die Schwester hasst", sagte Franziskus vor den Überresten der 6.000 Jahre alten Stadt Ur. Gläubige dürften nicht schweigen, wenn Terrorismus Religion missbrauche.

Alle ethnischen und religiösen Gemeinschaften des Iraks hätten in den vergangenen Jahren unter Terrorismus, Krieg und Gewalt gelitten, sagte der Papst vor der Kulisse eines 4.000 Jahre alten Tempelturms des Mondgottes Nanna. Bei dem interreligiösen Treffen erinnerte er insbesondere an das Leiden der Jesiden, die während der knapp drei Jahre währenden Herrschaft der Terrororganisation "Islamischer Staat" im Norden des Iraks Opfer eines Genozids wurden. Sie hätten den Tod vieler Männer zu beklagen und mit ansehen müssen, wie Tausende Frauen, Mädchen und Kinder entführt, als Sklaven verkauft sowie körperlicher Gewalt und Zwangsbekehrungen unterworfen wurden.

Vor dem Hintergrund von Flüchtlingsströmen bei gleichzeitigem Öl- und Gasreichtum des Landes mahnte Franziskus, es werde keinen Frieden geben "ohne Teilen und Aufnahme". Bündnisse sollten zur Verteidigung der Menschen dienen und nicht der Pflege von Feindschaften, sagte er im Hinblick auf die Einflussnahme ausländischer Mächte auf Konflikte in der Region, insbesondere mit Blick auf das "gepeinigte Nachbarland Syrien".

Am Abend wollte der Papst eine Messe in der chaldäischen Kathedrale von Bagdad feiern. Bei einem Besuch in Erbil und Mossul in der Kurdenregion stand am Sonntag ein Gebet für die Opfer des Krieges auf dem Programm.

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