Amnesty beklagt Massaker mit Hunderten Toten in Tigray

Amnesty beklagt Massaker mit Hunderten Toten in Tigray
2019 bekam der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis, aber derzeit häufen sich verstörende Nachrichten aus dem Land: Menschenrechtler erheben schwere Vorwürfe im Blick auf den Konflikt in der Tigray-Region.

Menschenrechtler werfen eritreischen Truppen ein Massaker in der äthiopischen Krisenregion Tigray mit Hunderten Toten vor. Eritreische Soldaten, die die äthiopische Armee unterstützten, hätten in den Straßen der alten Königsstadt Axum um sich geschossen und Häuser niedergebrannt, berichtete die Organisation Amnesty International am Freitag. Die Opfer wurden demnach in Massengräbern bei zwei Kirchen begraben. Die Verbrechen seien bereits Ende November verübt worden, aber erst jetzt bekanntgeworden.

Amnesty erklärte, äthiopische und eritreische Truppen hätten die Stadt einnehmen wollen und dabei mögliche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. "Darüber hinaus liefen eritreische Truppen Amok und töteten systematisch und kaltblütig Hunderte von Zivilisten", hieß es in der Mitteilung. Augenzeugen hatten den Ermittlern demnach von systematischen Hausdurchsuchungen, Hinrichtungen und Beschießungen berichtet. "Diese Gräueltaten gehören zu den schlimmsten, die bisher dokumentiert wurden", betonte der Amnesty-Regionaldirektor für die Region, Deprose Muchena.

Die EU reagierte auf den Amnesty-Bericht und verurteilte auf das Schärfste alle Verbrechen gegen Zivilisten. Die Täter müssten schnell zur Rechenschaft gezogen werden, hieß es in einer Mitteilung des Außenbeauftragten Josep Borrell und des für Krisenreaktion und humanitäre Hilfe zuständigen Kommissars Janez Lenarcic. "Die Feindseligkeiten müssen sofort aufhören und sofortiger, vollständiger und ungehinderter Zutritt nach ganz Tigray muss für alle humanitären Akteure und die Medien erlaubt werden", erklärten die EU-Verantwortlichen.

Die Altstadt von Axum mit ihren Obelisken ist Unesco-Weltkulturerbe. Für die äthiopisch-orthodoxen Christen ist es eine heilige Stadt. Nach ihrem Glauben befindet sich dort in einer Kirche die Bundeslade mit den zehn Geboten auf Steintafeln, die der Bibel zufolge Moses von Gott erhalten hat. Amnesty stützt sich auf Augenzeugenberichte und Satellitenaufnahmen von Zerstörungen und Massengräbern. Eritrea bestreitet, die äthiopische Armee unterstützt zu haben. Weil die Tigray-Region in Nordäthiopien für Hilfsorganisationen, Ermittler und Journalisten fast unzugänglich ist, gab es bisher kaum unabhängige Berichte über die Lage.

Die äthiopische Regierung hatte am Mittwoch Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sie Beobachtern den Zugang verweigere. Mehrere ausländische Medien und Mitglieder der unabhängigen äthiopischen Menschenrechtskommission hätten Tigray in den vergangenen Monaten besuchen dürfen, teilte das Büro von Ministerpräsident Abiy Ahmed mit.

Die äthiopische Zentralregierung begann im November eine Offensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die bisher die Region im Norden des Landes regierte. Tausende Menschen wurden seither getötet, mehr als 61.000 sind nach UN-Schätzungen ins Nachbarland Sudan geflohen. Auslöser des blutigen Machtkampfs waren Wahlen, die die TPLF in Tigray trotz eines Verbots abhielt. Hintergrund ist auch, dass die TPLF vor wenigen Jahren ihre lange dominierende Stellung in Äthiopiens Armee und Regierung verloren hat.

epd bdr/ps et

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