Studie: Gravierende soziale Benachteiligung von Sinti und Roma

Studie: Gravierende soziale Benachteiligung von Sinti und Roma

Sinti und Roma in Deutschland sind einer Studie zufolge auf gravierende Weise sozial benachteiligt. Die Untersuchung belege, wie sehr Angehörige der Minderheit von einem "sozial sehr ungerechten Bildungssystem" betroffen seien, sagte der Freiburger Soziologe Professor Albert Scherr am Mittwoch bei der Online-Präsentation der Studie "Ungleiche Teilhabe. Zur Lage der Sinti und Roma in Deutschland".

Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft "RomnoKher" wurden von September bis Dezember 2020 rund 700 einheimische und zugewanderte Roma und Sinti aller Bundesländer befragt. "RomnoKher" ist eine Einrichtung für Kultur, Bildung und Antiziganismusforschung in Mannheim.

Um Verbesserungen zu erreichen, seien umfassende arbeitsmarkt-, sozial- und bildungspolitische Maßnahmen nötig, sagte Scherr. Diese müssten für mehr Chancengerechtigkeit sorgen und auf die Überwindung von Diskriminierung ausgerichtet sein. Er forderte eine Zehn-Jahres-Strategie mit einer gezielten Minderheitenförderung sowie einer Antidiskriminierungspolitik.

Für den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft "RomnoKher", Daniel Strauß, sind die bisherigen Fördermaßnahmen ebenfalls nicht ausreichend. Zwar habe sich die Bildungssituation im schulischen Bereich deutlich verbessert. Doch hätten immer noch 40 Prozent der 18- bis 50-jährigen Roma und Sinti keinen beruflichen Abschluss.

Ungleiche Bildungschancen beeinträchtigten die gleichberechtigte Teilhabe der Minderheit in vielen Lebensbereichen, sagte Petra Follmar-Otto, Vorständin der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". Die Studie zeige, wie dringend der Handlungsbedarf für das Menschenrecht auf Bildung für Sinti und Roma sei. Als alarmierend bezeichnete sie die mit 15 Prozent viel zu hohe Zahl derer, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Das seien mehr als doppelt so viele als im Bevölkerungsschnitt mit fünf Prozent.

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