Präses Rekowski: Kirche muss sich auf die Seite der Missbrauchsopfer stellen

Kirche muss sich auf die Seite der Missbrauchsopfer stellen

©epd-bild/Stefan Arend

Wenn Menschen in der Kirche misshandelt, missbraucht und herabgewürdigt würden, litten alle Konfessionen darunter, betonte Rekowski.

Präses Rekowski: Kirche muss sich auf die Seite der Missbrauchsopfer stellen
Vor dem Hintergrund des Skandals um sexuelle Missbräuche hat der rheinische Präses Manfred Rekowski die Kirchen aufgerufen, Unrecht in den eigenen Reihen beim Namen zu nennen und sich konsequent auf die Seite der Betroffenen zu stellen.

Die christlichen Kirchen seien kein Raum ohne Sünde und Schuld, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland in einer gemeinsamen Passionsandacht mit dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki in der Düsseldorfer Johanneskirche. "Menschen erleben im Raum der Kirche Verletzungen an Leib und Seele, auch durch Täter, die für die Kirche arbeiten."

Die Passions- und Bußzeit vor Ostern bedeute daher auch, sich dieser Wirklichkeit und dieser Schuld zu stellen", erklärte der 63-jährige Theologe. Das Leiden Jesu Christi für die Menschen ermögliche "das Eingeständnis von Schuld, Buße, Umkehr, Neubeginn". Wenn Menschen in der Kirche misshandelt, missbraucht und herabgewürdigt würden, litten alle Konfessionen darunter, betonte Rekowski. Denn es gebe eine "ökumenische Haftungsgemeinschaft". Es habe auch Folgen für die ganze Kirche, "wenn diese Verletzungen nicht zur Sprache kommen und keinen ausreichenden Ausdruck finden, wenn der Schmerz unterdrückt und Heilung verhindert wird".

Die gemeinsame Andacht des Kölner Erzbischofs und des rheinischen Präses zu Beginn der Passionszeit hat eine langjährige Tradition. Angesichts der schleppenden Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln waren in diesem Jahr in der rheinischen Kirche jedoch Stimmen laut geworden, die Andacht solle abgesagt werden. Insbesondere Kardinal Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er ein Gutachten zu Missbrauch durch Kleriker im Erzbistum beharrlich unter Verschluss hält und stattdessen ein neues Gutachten in Auftrag gegeben hat, das am 18. März vorgestellt werden soll.

Rekowski hielt jedoch an der gemeinsamen Andacht fest. Ein Gottesdienst sei "kein unterstützendes Signal für kirchenpolitische Entscheidungen", sagte er dem Evangelischen Pressedienst. Zudem treffe sich in einem Gottesdienst "nicht die Gemeinschaft der Fehlerlosen, sondern eine Gemeinschaft der begnadigten Sünder". Rekowski nahm zum letzten Mal als rheinischer Präses an der gemeinsamen Andacht teil. Er geht im März in den Ruhestand und übergibt sein Amt an den 50-jährigen Theologen Thorsten Latzel.

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