Ostdeutsche Landeskirchen kämpfen mit Personalmangel

Die Pfarrerin Corinna Zisselsberger der Kirche St. Petri - St. Marien in Berlin.

©epd-bild/Christian Ditsch

Die Pfarrerin Corinna Zisselsberger der Kirche St. Petri-St. Marien in Berlin. In der Landeskirche von Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz waren Ende 2019 genau 898 Frauen und Männer im ordinierten Dienst tätig.

Ostdeutsche Landeskirchen kämpfen mit Personalmangel
Der allgemeine Bevölkerungsrückgang in Ostdeutschland macht auch den Kirchen zu schaffen. Sie haben zum Teil schon heute Nachwuchsprobleme bei Pfarrerinnen und Pfarrern, aber auch bei Kirchenmusikern, Diakonen und Gemeindepädagogen.

Die evangelischen Kirchen in Ostdeutschland rechnen in den kommenden Jahren teilweise mit einem Mangel an Pfarrern, Diakonen und Kirchenmusikern. Als Hauptgründe werden die demografische Entwicklung und der Rückgang an Kirchenmitgliedern genannt. Dabei sind offenbar freie Stellen auf dem Land schwieriger zu besetzen als in den Städten, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab. 

Nach Angaben von Bischof Friedrich Kramer von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist im kommenden Jahrzehnt mit einer Verdoppelung der Ruhestandseintritte bei den Pfarrerinnen und Pfarrern zu rechnen. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist laut Kramer 2030 zu erwarten. Dann gingen beispielsweise mehr als 50 der aktuell noch etwas über 900 Geistlichen in der mitteldeutschen Kirche in Pension. Durch den Bevölkerungsrückgang stehen nach Angaben von Personaldezernent Michael Lehmann künftig weniger junge Menschen für kirchliche Berufe zur Verfügung - vom Pfarrer über den Kirchenmusiker bis zur Verwaltung.

Auch in der sächsischen Landeskirche fehlt es nach Angaben von Kirchensprecherin Tabea Köbsch zunehmend an Personal im Bereich Kirchenmusik und Gemeindepädagogik. In den nächsten zehn Jahren gingen 39 hauptberufliche Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen sowie 41 nebenberuflich Tätige in den Ruhestand, sagte Köbsch. 2020 waren in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens nach Angaben von Köbsch zwölf hauptamtliche Kirchenmusikerstellen nicht besetzt. Sie seien zum Teil schon seit mehreren Jahren vakant.

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Auch bei den Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen gebe es Nachwuchsprobleme. Hier gehen etwa 30 Prozent des Personals laut Köbsch in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. 2020 waren 33 Gemeindepädagogenstellen unbesetzt.

Die Nachwuchssituation bei Pfarrerinnen und Pfarrern ist dagegen nach Aussage der sächsischen Kirchensprecherin derzeit nicht dramatisch. Anfang 2021 waren in Sachsens Landeskirche 586 Pfarrerinnen und Pfarrer tätig, davon 173 Frauen.

Auch in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz werden in den kommenden zehn Jahren viele Aktive in den Ruhestand gehen. Ende 2019 waren nach Angaben einer Sprecherin in der Landeskirche 898 Frauen und Männer im ordinierten Dienst tätig. 591 Gemeindepfarrstellen, 138 Kreispfarrstellen und 91 landeskirchliche Pfarrstellen seien besetzt gewesen, hieß es.

Ein Pfarrermangel werde gegenwärtig nicht erwartet, sagte die Sprecherin. Die Nachwuchssituation sei sehr gut. Aktuell seien 32 Bewerbungsverfahren offen, 18 Stellen seien nicht besetzt. Dass Pfarrstellen nicht besetzt werden können, hänge unter anderem von einem "Stadt-Land-Gefälle" ab. Es sei jedoch mitunter selbst in Berlin nicht leicht, Bewerbungen für eine Pfarrstelle zu erhalten.

In Deutschlands kleinster Landeskirche, der Evangelischen Landeskirche Anhalts, werden in den nächsten zehn Jahren 25 Prozent des derzeitigen Pfarrpersonals in den Ruhestand gehen. Bei derzeit rund 60 Pfarrerinnen und Pfarrern im Gemeindedienst sei das ein deutlicher Einschnitt, sagte Kirchenpräsident Joachim Liebig: "Und Nachwuchs ist schwer zu gewinnen." Die Landeskirche hat aktuell weniger als 30.000 Mitglieder.

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